Trio Elf - soeben mit dem Bremer Jazzpreis ausgezeichnet - gastieren die Neutöner am 11. ...
Aus dem digitalen Ei gepellt

Die Musiker von Trio Elf setzen sich gegenseitig ins beste Licht (von links): Bassist Peter Cudek, Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer und Pianist Walter Lang. Bild: Uli Zrenner-Wolkenstein

Musiker, die alles mit der Hand machen, stehen heutzutage unter Generalverdacht: Verweigern sie sich nicht jeder Innovation? Träumen sie sich nicht als hoffnungslose Romantiker, gefangen in weltfremder Naivität, zurück in eine angeblich paradieshafte Vergangenheit? In eine Zeit, in der das Handwerk noch goldenen Boden hatte und noch nicht bedroht war, von den kalten Tricksereien elektronischer Reproduzierbarkeit?

Der Gegenwart begegnen sie naserümpfend, und die Zukunft - die fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser. Denn was brächte die schon anderes als die Revolution "Vierpunktnull", in der nur noch und Maschinen kommunizieren und der Mensch außen vor bleibt.

Traditionelle Instrumente


Das Trio Elf beweist genau das Gegenteil: Die drei Jazzer klingen wie aus dem digitalen Ei gepellt, gerade weil sie auf manuelle Aufführungspraxis schwören. Peter Cudek, Walter Lang und Gerwin Eisenhauer haben sich gänzlich traditionellen Instrumenten wie dem Kontrabass, dem Yamaha-Flügel und den Trommeln verschrieben - und vermitteln gerade deshalb einen Eindruck davon, wie die Musik der Zukunft klingen kann. Beim renommierten Bremer Jazzpreis wurde eine Combo gesucht, die nicht nur "einen deutlichen Bezug zu elektronischer Musik hat", sondern die auch mit "Loops, Samples, Sequencern, Turntables, oder Drum Machines" arbeitet. Eine Jury hatte mit dem Publikum unter 20 hochklassigen Bewerbern zu entscheiden. Und wer gewann dieses Rennen des muskelstarken Hasen gegen den IQ-Igel - und konnte die ausgelobte Prämie in Höhe von 10 000 Euro am Ende für sich reservieren?

Mit Hand und Hirn


Genau: Jenes Trio Elf, das beide Tugenden, Hand und Hirn, am eindrücklichsten verkörpert. Das die geforderten Kriterien deshalb am besten erfüllt, weil sie alles manuell machen - und dabei so präzise, so kristallklar und so artifiziell klingen, als kämen sie gerade aus dem Reinraum.

Wenn sie am Dienstag, 11. Oktober, nach Amberg ins Casino kommen, dann stellen sie ihr neues Album "Musicboxmusic" vor. Aber was heißt das schon, bei einer Jazz-Formation? "90 Prozent unserer Liveperformance sind Improvisation", sagt der Weidener Schlagzeug-Magier Gerwin Eisenhauer und liefert damit ein weiteres Bekenntnis ab - zum Handgemachten, zur Eigenständigkeit und zur Spielfreude. Und auch der Titel ihres neuen Albums offenbart, dass die Drei vom Trio Elf sich nicht nur musikalisch aufs Spitzfindige verstehen: Sie lieben auch sprachlichen Feinsinn.

Denn im Englischen ist das Wort Musicbox ja nicht nur dem elektrischen Wurlitzer vorbehalten, auch die mechanische Spieluhr hört auf diese Bezeichnung. Und diese Musicbox verweist ihrerseits auf die Frühgeschichte der Automatisierung von Musik: Denn schon im späten 18. Jahrhundert waren solche blechernen Minimaschinen angetreten, den Klang der Musik loszulösen vom Interpreten, ihn ungeachtet der individuellen Fertigkeiten zu reproduzieren und ihm so Omnipräsenz zu verleihen. Beim Konzert im Leeren Beutel in Regensburg kündigte Gerwin Eisenhauer als finales Stück den Titel "Krumm" an, den er am Computer geschrieben hat und der "so vertrackt ist, dass ich richtig üben musste, bis ich das hinbekam." Natürlich war die anschließende Performance fehlerfrei. Das ist es, was das Trio Elf ausmacht: Dass sie aufgrund ihres individuellen Könnens die Geister der Maschine einzufangen vermögen. Mit einem Wort: Was für eine ausgezeichnete Jazz-Band.
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