Trio Loyko begeistert
Schöpfer einer einzigartigen Klangwelt

Das "Gypsy-Ensemble" Loyko sorgte beim Rathauskonzert in Amberg für einen vollen Saal. Bild: Louis Reitz

Auf der Bühne zwei Geigen und eine Gitarre! Eine ungewöhnliche Kombination und Musik, die aufhorchen lässt. Das Trio "Loyko" begeistert seit einem Vierteljahrhundert Musikliebhaber auf der ganzen Welt mit einer einzigartigen Mischung, die sich nur schwer in die Schublade "Gypsy" zwängen lässt. Da kommt ein ganzer Kosmos von Musiktraditionen zum Vorschein, Flamenco und russische Sentimentalität, jüdischer Klezmer und Balkan-Rhythmen werden zu einer einzigartigen Klangwelt, eine Mischung zwischen Volksmusik und Klassik, zwischen Tanzmusik und Jazz.

Mit unglaublicher Virtuosität klingen auch die schwierigsten Passagen leicht und beschwingt, es gibt keine Noten, alles wird auswendig gespielt, man spürt vom ersten bis zum letzten Ton, dass auch die Musiker Freude an ihrem Auftritt haben. Natürlich spielt auch der Gesang eine wichtige Rolle, und obwohl man die russisch gesungenen Texte nicht versteht, erweist sich die Musik als universelle Sprache, Stimmungen und Gefühle zu vermitteln. Der Zuhörer leidet mit, wenn eine sentimentale Weise angestimmt wird, erfreut sich an lebensbejahenden Rhythmen und jubilierenden Klezmer-Klängen, und bewundert die unglaubliche Virtuosität der Akteure.

Äußerste Präzision im Zusammenspiel, exakte Einsätze, differenziertes Klangbild und Kontraste sorgen für ein spannendes und genussvolles Hörerlebnis. Der unverfälschte Naturklang der Instrumente lässt alle Nuancen zur Geltung kommen. Da gibt es Flageolett-Klänge, Pizzicatospiel, spezielle Anschlagtechniken mit dem Bogen, auch Korpus von Gitarre und Geige werden als Effekte oder perkussive Elemente einbezogen. Gelegentlich dient auch die Stimme als Perkussionsinstrument.

Musikalische Zitate


Ein beliebtes Stilmittel ist auch die Imitation von Vogelstimmen, ja es gibt ausgesprochene Dialoge der beiden Geiger in den höchsten Lagen. Aber auch Zitate aus anderen Genres fließen immer wieder ein. Da wird schon mal die Dixie-Gassenhauer "When the Saints Go Marching In" zitiert, oder für Sekunden blitzt die Melodie von "Schwarze Augen" auf.

Sergey Erdenko (Jahrgang 1958) entstammt einer Roma-Musiker-Dynastie, die sich 300 Jahre zurückverfolgen lässt. Im Alter von fünf Jahren begann er das Geigenspiel, später entdeckte er sein Interesse an Theater. Es folgten Jahre im Symphonieorchester und am Moskauer Romatheater ROMEN. Einige Jahre in Dublin erweiterten den musikalischen Horizont und 1990 gründete er das Ensemble "Loyko". Seither gab es mehrmals Wechsel der Mitglieder, aber das Trio-Format erwies sich als ideal, seine musikalischen Träume umzusetzen. Der Dialog von zwei gleichen Instrumenten, aber auch der Wettkampfgedanke prägen den Sound der Gruppe.

Mit Artur Gorbenko (geboren 1972 in Leningrad) steht ihm ein ebenbürtiger Partner zur Seite. Er stieß 2011 zur Gruppe und ist sowohl auf dem Gebiet der Klassik als auch im Jazz aktiv. Es ist unglaublich, wie beide aufeinander eingehen und sich ergänzen. Mal steht einer solistisch im Vordergrund, der andere begleitet, mal gibt es unisono-Passagen im halsbrecherischen Tempo, oder Dialoge mit viel Freiraum für Improvisation.

Drei Zugaben


Michael Savichev (Jahrgang 1971) studierte am Konservatorium in Novosibirsk klassische Konzertgitarre und befasste sich auch mit Jazz und Folkmusik. In Spanien widmete er sich der Flamenco-Gitarre und diese Einflüsse sind auch in der Musik von Loyko deutlich hörbar: rasende Läufe in äußerster Präzision, Einbeziehung von speziellen Schlagtechniken und Schläge auf Gitarrendecke oder Griffbrett erweitern das Klangspektrum. Das Publikum ist begeistert und die Musiker in bester Spiellaune reagieren mit drei Zugaben. Ein spannender Konzertabend klingt aus.
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