Urgestein trumpft auf

Friedrich Brandl liest nicht nur aus seinem neuesten Buch "inmitten meiner grünen Insel" vor. Er erzählt auch Geschichten und Begebenheiten, die zur Entstehung der Gedichte geführt haben. Mike Reisinger rollt den maßgeschneiderten Tonteppich dazu aus. Bild: Huber

"Haben Gedichte in unserer Zeit - angesichts Flucht, Hunger, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung - noch Platz?" Diese Frage wirft Autor Friedrich Brandl in der Stadtbibliothek bei seiner Buchvorstellung "inmitten meiner grünen Insel" auf. Seine Antwort ist eindeutig: Ja!

Von Marielouise Scharf

Der sehr gute Besuch der Lesung am Freitagabend gibt Brandl Recht. Die Atmosphäre passt, das Ambiente stimmt, die sensible, musikalische Interpretation der poetischen Texte kommt an beim Publikum im Lese-Café.

Auf seiner grünen Insel


Gemeinsam mit Mike Reisinger, Musiker, Tontechniker und Multiinstrumentalist, nimmt er das andächtig lauschende Publikum mit auf seine grüne Insel. Einmal ist das ein nur wenige Quadratmeter großer, mit Platten belegter Platz in seinem Garten, der von grünen Hecken eingerahmt ist. Ein anderes Mal können es Örtlichkeiten entlang der "Goldenen Straße" sein, die er mit Dichterkollegen zu Fuß erkundet hat; oder auch Karsthöhlen, Plätze, Brunnen, Berge, Seen und Flüsse. "Es sind aber immer besondere Orte, die mich interessieren", sagt der Autor.

Stimmungen und Bilder


In verdichteter Form erzählt Brandl Geschichten, zaubert Stimmungen und baut Bilder - einmal in freier Form, dann wieder in Reimen. Mike Reisinger rollt auf unterschiedlichsten Instrumenten den maßgeschneiderten Tonteppich dazu aus, Brandl webt Worte hinein. Im Sonettenkranz "Gartenklänge" reflektiert er Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an abwechslungsreiche Wanderungen durch Böhmen, den Bayerischen Wald, Abruzzen, Périgord, Südfrankreich.

Immer wieder nimmt er einen Standort-, Beobachtungs- und Perspektivwechsel vor: beleuchtet Städte ("Stadtlichter"), die er zu Fuß durchstreift hat, vertieft sich poetisch in Gestein wie Schiefer, Granit und Kalk ("Steinlinien"), begibt sich entlang der Flüsse ("...und fließt") Naab, Regen, Donau, Altmühl, Loire, Rhone .... Beim passenden Stichwort Vils stößt Oberbürgermeister Michael Cerny zu den Freunden der Brandl-Gedichte. Da hört er dann den kompletten Sonettenkranz "Blick von oben". Kann mit dem Dichter den Blick über die Heimatstadt schweifen lassen, aber auch auf Pilsen, auf Kallmünz. Brandl macht sich Gedanken über Jugend, Schule, Lehrersein, lenkt das Interesse bis hin zum Alter und beleuchtet kritisch das Verhältnis von Mensch und Natur.

Viel Beifall zum Schluss


Bibliotheksleiterin Bettina Weisheit hatte Brandl als bekannten Amberger, den Kulturpreisträger der Stadt und Autor von mund- und schriftsprachlichen Werken begrüßt. Eva Bauernfeind vom Lichtung-Verlag, der bereits etliche Titel von Brandl veröffentlichte, fügte an: "Friedrich Brandl ist quasi Urgestein in unserem Verlag". Das Auditorium honorierte den gelungenen literarisch-musikalischen Abend mit viel Beifall.
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