Uwe Dick: Poet, Hörspieler und Schausprecher
"Hilfäää, Luft!"

Mit seinen Wortschöpfungen, seiner Atemkunst wettert Dick gegen die "saisonale Billigtristik" und die von ihm so genannte "Fertigteilsprache". Bild: hfz

Mit einem lauthals getönten "Hilfäää, Luft!" holte Uwe Dick an diesem Abend die Zuhörer ab - und den Gedanken darüber, dass (und wie) man beim Ausatmen auch einatmen kann. So startete die kurzweilige Lesung und Hörung, in der er seine zum Teil ganz neu komponierten Atemwerke intonierte.

Mit aerophonischen Variationen gastierte der Poet, Hörspieler und Schausprecher Uwe Dick im Luftmuseum. Zu erwarten war Sprache statt Schreibe - so kündigte es der Niederbayer bereits im Vorfeld an, und so legte er auch gleich los mit einer Uraufführung rund um das Thema Luft, die der Luftmuseums-Verein zum zehnjährigen Bestehen in Auftrag gegeben hatte.

Mit seinen Wortschöpfungen, seiner Atemkunst wettert Dick gerne und viel gegen die "saisonale Billigtristik" und die von ihm so genannte "Fertigteilsprache", mit der sich alle Welt über die sogenannte Welt-Literatur unterhält: "Den neuen Wälzer von X, die CD von Y, alle Filme von Z, weißt schon, hab ich mir reingezogen" - Python-Deutsch eben.

Stattdessen propagiert Dick die Poesie als Lebensweise, doch die größte Bedeutung misst er dabei der Sprache selbst bei. "Der Klang macht das Wort", helfe, die Bedeutung zu verstehen. Doch trotz - oder gerade bei - aller Sprachliebe steht Uwe Dick auch für Wortkonzentrate, will verdichten, "kondensare" nennt er es. Der Wille zum möglichst geringen Wortverbrauch brachte ihn zum Ein-Wort-Roman. Hier kommt ihm besonders die Dialekt zugute. Dialekt ist viel wärmer und klarer, er spricht wesentlich mehr benachbarte Intentionen und versteckte Triebe an, ist "hinterfotziger", abgründiger - da bleibt eine Provokation nicht aus.

Besonders Episoden aus dem Alltag prägen Dicks Texte. So findet sich eine lautmalerische Beschreibung seines Weges auf dem Fahrrad über die Überlandstraße von Niederperlesreuth hin zur nächsten Stadt - brrrrrrrommmm macht es da und niiiiiiiiiiiionnnng. Und zwischendurch sein Mantra: "Lass dich nicht brutalisieren, Dick, noch drei Kilometer, zehn Minuten, dann hast du's, schnauf durch!" Doch auch zur Politik äußert sich der Hörspieler. "Die Nullen sind wichtig, jede mit ihrem Gesichtskreis - obwohl sie oft gar keinen hat. So darf ein Politiker - soll die Menge an ihm sich wiedererkennen - nicht zu viel Profil zeigen."

90 Minuten Nonstop-Lesung fliegen nur so an den Zuhörern vorbei. Dicks Gewitterturbulenzen, singende Silben und Prellwitztriller schwirren im Raum. Ein sprachmächtiger, worterfinderischer Abend geht unter lautem Applaus zu Ende.
Weitere Beiträge zu den Themen: Luftmuseum (31)Lesung (100)Uwe Dick (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.