Verflüssigung der Aggregatszustände

In der gotischen Hauskapelle im ersten Stock des Luftmuseums in Amberg verwandelt Jan van Munster das Nichtgreifbare in handfeste Materie. Und bringt die Besucher damit zum Staunen.

"Der Kurzschluss ist das Prinzip, auf dem alle meine Arbeiten beruhen": Ein ganzes Künstlerleben schon macht der 1939 im niederländischen Gorinchem geborene Jan van Munster die Kraft der Gegensätze fruchtbar und nutzt so die frei werdende Energie, um seine Werke entstehen zu lassen. Das sind wachsende Skulpturen, weshalb man ihn, den plastisch arbeitenden, im weitesten Sinne auch als Bildhauer bezeichnen könnte.

Mit Wilhelm Koch ist er schon seit mehr als 20 Jahren befreundet, weshalb sich der Luftmuseumsleiter freut, "dass es endlich mal geklappt hat, dass Jan dem Amberger Publikum einen kleinen Einblick in sein Werk gewährt". Die gotische Hauskapelle, droben im ersten Stock, sie eignet sich dafür erstklassig, sind es doch fast magische Wandlungsprozesse, die Jan van Munster den Besuchern vor Augen führt.

Funkelnde Eiskristalle

Auf einem Metalltisch ruht eine große weiße Kugel - auf der man zunächst funkelnde Edelsteine zu sehen glaubt. Tatsächlich aber handelt es sich um Eiskristalle, die sich aus der Luftfeuchtigkeit des Raumes auf der heruntergekühlten Kugeloberfläche anlagern. Das dahinterstehende physikalisches Prinzip kennt jedermann vom eigenen Kühlschrank: Die Öffnung im Gefrierfach wird im Lauf der Zeit immer schmaler, weil an vorhandene Eiskristalle unablässig neue andocken.

Sakrale Atmosphäre

Was im Fall der eigenen Küche aber meist ärgerlich und wenig ästhetisch ist, wird hier in der lichtunterstützten Präsentation der sakralen Atmosphäre in der Kapelle zum Highlight: Wie ein eisgepanzerter Himmelskörper präsentiert sich die Kugel. Und die durch die Lichtführung hervorgerufene Silhouette setzt Assoziationen frei, an die Mondsichel und die Vorstellungen der eisig-kalten "Dark Side of the Moon". Ebenfalls ganz nah an der Mythenwelt des Pop siedeln die "Tears from Heaven" - die Jan van Munster (zwar nicht zu den Klängen von Eric Claptons gleichnamiger Ballade, aber) aus der kondensierten Raumluft schöpft und in kleinen Gläschen den Gästen zum Trinken anbietet.

So verleiht er dem Nichtgreifbaren Form und Kontur: Luft wird zu Eis und wandelt sich vom Gas zum Festkörper. Oder Luft wird zu Wasser und wechselt den Aggregatszustand hin zum Flüssigen. Der tatsächliche Magier aber ist Jan van Munster: weil er uns die Kräfte der Natur auf so einfache und schöne Weise vor Augen zu führen versteht.

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Die Ausstellung "(Un)Sichtbar" von Jan van Munster noch bis 25. Januar 2015 im Luftmuseum (Eichenforstgäßchen 12) in Amberg zu sehen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.luftmuseum.de
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