Vernissage in der Alten Feuerwache
Wolfgang-Keuchl-Ausstellung

Um Wolfgang Keuchls Tisch versammeln sich die Kuratoren Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler, Ausstellungskoordinatorin Michaela Grammer (von links). Und die Keuchl-Söhne Peer Wührl und Max Meier haben Eröffnungsredner Jürgen Huber in ihre Mitte genommen. Bild: Geiger
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
16.01.2016
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"Wenn einer tot ist, dann wissen plötzlich sehr viele sehr gut Bescheid!" Jürgen Huber ist das, der das sagt. Ja: Er muss es wissen. Er muss wirklich Bescheid wissen über Wolfgang Keuchl. Und über die Art und Weise seiner Rezeption. Denn schließlich ist Jürgen Huber, der Maler und heutige Bürgermeister der Stadt Regensburg, ja auch als Redner geladen zu diesem Eröffnungsabend.

Als Redner, der von einem Freund erzählen und dabei berichten soll von einem, der mit ihm die Gruppe "Warum Vögel fliegen" gegründet hat. Der dem Publikum die Augen öffnet für die Arbeiten dieser Ausstellung, die gar keinen Titel trägt und nur ganz nonchalant mit dem Versprechen aufwartet, "unbekannte Werke" zu zeigen.

Tisch als Lebensmittelpunkt


Und, natürlich: Der auch die Herzen empfänglich machen soll, für den Menschen Wolfgang Keuchl, der vor gut 10 Jahren, im September 2005, 53-jährig verstarb. Im Zentrum dieser Ausstellung steht: ein Tisch. Ein Tisch aus Holz- alt, ehrwürdig und sehr stabil sieht er aus, so, als hätte er schon mehreren Generationen als das gedient, wofür ein Tisch halt so da ist. Diesen Tisch also, den wollten die Kuratoren Ingo Kübler und Wilma Rapf-Karikari, enge Wegbegleiter Keuchls und befreundet mit dessen Nachfahren, unbedingt hier stehen haben, in der Alten Feuerwache. Als Nukleus, als Kern des Ganzen, als Klammer, der zusammenhalten soll, was da, dieses Zentrum gewissermaßen spiegelnd, die Wände schmückt. Denn: Das war der Küchentisch von Wolfgang Keuchl. An diesem Tisch hat er seine Gäste empfangen. Dort hat er sie bewirtet, verköstigt, verwöhnt. Das war der Tisch, an dem sein Sohn Peer die Hausaufgaben erledigt hat. Dieser Tisch war eine Art Lebensmittelpunkt. Und: Dieser Tisch, der war auch Objekt der künstlerischen Begierde von Wolfgang Keuchl. Denn: Immer wieder hat er ihn gezeichnet. Mit Bleistift, mit Kohle und in Ölpastell. Aus allen erdenklichen Winkeln. Von oben und unten dekliniert er sie durch, die Ansichten und Perspektiven, die Blickwinkel und Sichtweisen. Bemalt plane Flächen ebenso, wie er die Felder vierteilt wie in seinen berühmten Polaroid-Arbeiten. Jürgen Huber betont es: Wolfgang Keuchl war ein Energiebündel.

Wirklichkeit großes Thema


Einer, der ständig unter Strom stand. Jemand, der zapplig war, stets unruhig und nervös. Und der dabei seine Aufmerksamkeitskanäle maximal offen hielt. Ständig sei Wolfgang Keuchl mit etwas beschäftigt gewesen - und nach der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, da tat er den nächsten Schritt: Er setzte sie wieder zusammen.

Und brachte sie so ins Bild. Jürgen Huber schließt mit einem furiosen Schlussgedanken: Dieses von Wolfgang Keuchl - dem nach seiner Meinung bedeutendsten Maler der Oberpfalz - geschaffene Abbild der Wirklichkeit, es sei vom Betrachter als Appell zu verstehen: Sich vor die Bilder zu stellen, zu schauen und sich selbst in Referenz zu setzen. Und damit in Beziehung zu treten zu dieser Wirklichkeit. Zur Wirklichkeit des Wolfgang Keuchl. Die Ausstellung ist bis 6. März geöffnet.
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