Vita und Werk des Weltkünstlers
Kunst aus Filz, Fett und Kupfer

Klemens Wuttke (links), Künstler aus Nürnberg, widmete sich ausführlich der Vita und vor allem dem Werk des umstrittenen Weltkünstlers Joseph Beuys. Bild: Hartl

Der Aktionskünstler, Bildhauer, Kunsttheoretiker, Möchtegernpolitiker und Pädagoge Joseph Beuys war zeitlebens umstritten. Er wollte berühren und berührbar sein. Die seelische und körperliche Verletzlichkeit des Menschen war sein Thema.

Von Marielouise Scharf

Er war der Vorläufer eines neuen Denkens und Handelns und gilt heute als einer der wichtigsten Protagonisten der Kunst des 20. Jahrhunderts. Bei der großen Beuys-Ausstellung im ACC erörterte der Nürnberger Künstler Klemens Wuttke die Frage, ob Beuys ein Weltkünstler oder ein Scharlatan war.

Er liebte Legenden


Was ist Kunst, was Kommerz? Joseph Beuys war sicherlich ein Könner, der sich auch bestens vermarktet hat. Er hegte tiefes Interesse für Mythologie und Symbolik, Schamanismus, Anthroposophie und Mystik. Er wollte etwas bewegen in Kunst, Gesellschaft und Politik. Und er liebte Legenden, womit er die eigene Biografie ein wenig interessanter gestalten konnte. So entstand der Mythos von Filz und Fett als Leben und Wärme spendende Urerfahrung. Wenn die Geschichte wahrscheinlich gar nicht stimmt, so ist sie doch gut erfunden. So erzählt er, dass er im Zweiten Weltkrieg als Besatzungsmitglied eines Kampffliegers über der Krim abgeschossen und schwer verletzt wurde. Angeblich fanden ihn umherziehende Tartaren. Sie rieben ihn mit Fett ein und hüllten ihn in wärmenden Filz. Filz und Fett wurden seine bevorzugten Arbeitsmaterialien.

Unter dem legendären Filzanzug rollte Klemens Wuttke Leben und Werk auf, verriet, dass die romantischen Ideen eines Caspar David Friedrich den jungen Beuys inspirierten und skizzierte erläuternd den von Joseph Beuys geprägten Begriff "soziale Plastik", wobei er auf die Verbundenheit mit Gedanken von Rudolph Steiner verwies. Mittels Bildprojektion zeigte er den Künstler als genialen Zeichner, inspirierten Objektkünstler und provozierenden Selbstdarsteller. So wickelte sich Beuys im Mai 1974 in Filz, flog von Köln nach New York und ließ sich fünf Tage mit einem lebenden Kojoten im Ausstellungsraum der Galerie René Block einsperren.

Sperrmüll oder Kunst


Er wollte Aufsehen erregen. Mit der provozierenden Performance, die er betitelte: "I like America and America likes me", schaffte er das problemlos. Als zweiten Höhepunkt seines Schaffens stellte Wuttke eine seiner bekanntesten Installationen mit dem Titel "zeige deine Wunde" vor. Auch an diesem Werk scheiden sich die Geister. Handelt es sich um Sperrmüll oder doch Kunst? Im Mittelpunkt der Arbeit stehen paarweise angeordnete Leichenbahren, darunter befinden sich zwei geöffnete, mit Fett gefüllte Blechkästen. An der Wand lehnen zwei Schepser, Geräte zum Schälen von Bäumen. Gerahmt hängen noch zwei ungelesene Exemplare einer italienischen Zeitung in der Versandbanderole. Zu sehen im Lenbachhaus in München.

Die Vita und vor allem das Werk des umstrittenen Weltkünstlers kamen ausführlich zur Sprache, die Frage nach dem "Scharlatan" berührte der Referent zu wenig. Leider wurde das gesamte Bildmaterial seitenverkehrt auf die Wand projiziert, was der Qualität doch sehr abträglich war, wie auch die zu schnelle, zum Teil deshalb wohl unverständliche Sprechweise des Referenten.
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