Von der Poesie der Klänge

Mit jugendlicher Frische und großer Spielfreude verzauberten die Musiker - Oliver Triendl (Klavier) & Quatuor Voce - mit französischen Komponisten beim letzten Konzert der Saison 2014/15. Für den kurzfristig erkrankten Valery Sokolov konnte der französische Violinist Julien Dieudégard (links) gewonnen werden. Bild: Hartl

Eigentlich sollte ja Valery Sokolov beim Konzert am Sonntag im Stadttheater den Solopart an der Violine übernehmen. Klappte aber nicht. Der Solist war ganz kurzfristig erkrankt.

Umso erstaunlicher, dass binnen kurzer Zeit eine absolut hochwertige Vertretung gefunden werden konnte: der französische Violinist Julien Dieudégard. Seine Vita liest sich sehr beeindruckend: Er studierte am Pariser Konservatorium Violine und Kammermusik, danach perfektionierte er seine künstlerische Ausbildung in den USA, Italien und am Konservatorium von Lyon. Er gewann zahlreiche internationaler Wettbewerbe und spielte mit renommierten Orchestern, wie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Das selten zu hörende Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett D-Dur op. 21 von Ernest Chausson hat er bereits für Radio France eingespielt. Eine hohe Auszeichnung für einen jungen Künstler. Diese Komposition, die nach der Pariser Premiere 1892 als eine der bedeutendsten Kammermusik-Neuheiten der Epoche gerühmt worden ist, war auch einer der Höhepunkte des Amberger Abends.

Tänzerische Grazie

Kraftvoll der Beginn. Der Dialog von Geige, Klavier und Streichern besticht durch die Balance zwischen Solistengeste und kammermusikalischer Feinarbeit. Der langsame Satz ist ein großer Klagegesang der Solovioline, den das Klavier und später auch die Quartettstreicher aufgreifen. Das Ende entwickelt sich spannend, voll tänzerischer Grazie und sprühender Energie.

Sehr schlank und hochgewachsen steht Dieudégard, im Gegensatz zu seinen Mitspielern im festlichen Schwarz, im grauen Anzug neben dem geöffneten Flügel. Lässig wirft er sich das Kinnhalter-Tuch über die linke Schulter, klemmt sich das Instrument unters Kinn, dann ein kurzer Blick zum Pianisten und legt schwungvoll los. Die Bühne ist ohne jeden Schmuck, der prächtige Flügel in der Mitte, Stühle und Notenständer müssen die Künstler selbst aufbauen.

Perlende Duftigkeit

Den Anfang macht Gabriel Faurés Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 A-Dur op 13. Wirklich erstaunlich, wie mühelos es Oliver Triendl (Klavier) und Julien Dieudégard (Geige) gelingt, wundervoll harmonisch durch die Musik miteinander zu kommunizieren. "Wir alle verstehen uns prächtig", hatte Triendl eingangs die doch recht schwierige Situation, so kurzfristig das Programm zu retten, noch erläutert. Es scheint zu stimmen.

Das Spiel der beiden ist unglaublich schön. Die Poesie der Klänge und der verschwebenden Harmonien verzaubern. Wie Puzzlesteine fügt sich eins ins andere. Das Scherzo ein geigerisches Kabinettstück, das in seiner perlenden und flirrenden Duftigkeit selbst beim Zuhören den Atem nimmt. Das Klavier mit kräftigem Anschlag, ausdrucksstark und erdend, technisch ausgefeilt und sensibel in der Interpretation.

Quatuor Voce - das Streichquartett mit Sarah Dayan und Cécile Roubin (beide Violine), Guillaume Becker (Viola) und Lydia Shelley (Violoncello) überzeugt mit Maurice Ravels einzigem Streichquartett. Die musikalischen und technischen Anforderungen sind hoch. Geschmeidigkeit und Risikofreude, Klangfarbenneugier und technische Brillanz - all das zeichnet Quatuor Voce aus. Fesselnd und mitreißend ihr Spiel, mit feiner Raffinesse und Virtuosität. Bei dieser Interpretation erliegt das Publikum dem Ravelschen Farbenrausch. Ein Superabend!

Französischer Geist

"Tableau Francais" war der letzte Abend der Konzertsaison im Amberger Stadttheater überschrieben. Besonders der aus Paris angereiste Violinist Julien Dieudégard, der kurzfristig für den erkrankten Valery Sokolov eingesprungen war, brachte französischen Geist von der Seine an die Vils. Quatuor Voce - das Streichquartett mit Sarah Dayan und Cécile Roubin (beide Violine), Guillaume Becker (Viola) und Lydia Shelley (Violoncello) überzeugte ebenso wie Pianist Oliver Triendl.
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