Von Grau zu Glamour

Nicht steif und ohne Rhythmus im Blut, sondern mit Schwung erobert "Motown" die Bühne in Amberg und damit auch das Publikum. Bild: Stephan Huber

Gerade hat man noch die ersten "Tagesschau"-Bilder vom frühen Wintereinbruch im Kopf, da heizt die feurige Musikproduktion "Motown" im Amberger Stadttheater so richtig ein: mit Liebesliedern, Songs für gebrochene Herzen und mit den für "Motown" typischen Gute-Laune-Hits.

Mit temperamentvollen Choreographien und großartiger Musizierfreude legen fünf Sänger und fünf Musiker los. Sie erzählen die Erfolgsgeschichte des Labels, das Berry Gordy junior in den sechziger Jahren in Detroit gründete. Und sie stellen die Super-Songs vor, die man immer noch im Ohr hat.

Anfangs sieht es auf der Bühne noch recht trist und traurig aus. Zwischen grauen Betonwänden einer Garage wird geprobt für die große Gala-Show zu Ehren von "Motown". Keyboard, Schlagzeug und Verstärker stehen in den Ecken. Die Sänger hasten scheinbar orientierungslos durcheinander. Sie singen, der Text sitzt nicht, das Zusammenspiel mit den Musikern hapert. Die Truppe ist auch noch gar nicht komplett. Zack (Koffi Missah) fehlt noch.

Alle warten auf einen

Judy (Siggy Davis) trippelt aufgeregt hin und her. Lance (Wilson D. Michaels) und Syd (David-Michael Johnson) fordern "mehr Leidenschaft" bei der Probe und stellen fest: "Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Spaß und Spastik", womit sie auf die noch recht holprigen Tanzeinlagen anspielen. Die zierliche Linda (Tertia Botha) gibt sich reichlich nervös. Dann kommt endlich der Vermisste und hat ziemlich fadenscheinige Entschuldigungen für seine Verspätung parat. Viel passiert weiter nicht: ein paar Sätze zur Entstehungsgeschichte des Labels, ein paar Anekdoten aus Gordys Leben, eine angedeutete Liebesgeschichte zwischen Zack und Linda.

Pause. Zweiter Akt. Wechsel von Grau zu Glamour, von Garagenmelancholie zur großen Showtreppe. Smoking und Lackschuhe für die Herren, Glitzerroben und High-Heels für die Damen: "It's Showtime."

Ab sofort herrscht Mit-Wipp-Alarm im Publikum, wo man auch Herbert Herrmann und Nora von Colande entdeckt. Die beiden Bühnenstars gastieren einen Tag später mit "Anderthalb Stunden zu spät" in Amberg. Jetzt aber lassen sie sich wie alle im Publikum mitreißen von dieser explosiven Mischung von Superhits und Songs wie "Superstition", "My Guy", "War" und "Ain't No Mountain High Enough", "Stop! In The Name Of Love", "When A Man Loves A Woman" und "Please, Mr. Postman".

Interpreten waren "Motowns" Ikonen wie Diana Ross & the Supremes, Stevie Wonder, The Jackson 5 oder Lionel Richie. Sie alle prägten den unverwechselbaren Stil, eine Mischung aus Soul und Pop. Ganz nach dem Geschmack Gordys, der keine politische Botschaft unters Volk bringen wollte, sondern Musik "mit großartigen Geschichten und Rhythmen".

Und diese Musik setzt Regisseur Andrew Hunt bestens um. Als Kenner der Musical-Szene (er stand selbst in "Cats", "Jesus Christ Superstar" und "West Side Story" auf der Bühne) konzentrierte er sich bei seiner ersten Regiearbeit verstärkt auf die Musiknummern, weniger auf eine Nebenhandlung. Sein hochprofessionelles Ensemble tanzt die streng choreographierten Schritte mit großer Perfektion und Konzentration. Voluminös die Stimmen, volltönend und live spielt die Band: musikalische Leitung und Keyboard James Mironchik, Gitarre Martin Werner, Bass Joscha Glass, Saxofon Michael Hennig, Schlagzeug Richy Denis.

"Standing Ovations"

Das Tempo reißt mit, die Stimmung kocht hoch im Publikum. Und hoch gereckt werden auch die Arme beim Lied "FAFAFA". Mitgewippt und geschnippt wird schon ab der ersten Nummer. Aber zum Schluss hält es keinen mehr auf den Sitzen. Das Publikum ist von so viel Power animiert und elektrisiert: Strampeln und Pfiffe vor Begeisterung zum Schluss.
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