Walzer auf der unbewohnten Insel

Das Ensemble Con Brio präsentiert Werke bekannter Komponisten in Amberg. Bild: hfz

Endlich ist die spielfreie Zeit im Amberger Stadttheater vorbei. Zum Auftakt gastiert das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag mit einem ansprechenden Programm. Herausragende Solisten an diesem Abend sind Anke Dill (Violine) und Volker Jacobsen (Viola) mit Mozarts sinfonia concertante.

Das Kammerorchester unter dem Dirigat von Gudni A. Emilsson beginnt mit der Ouvertüre zum Singspiel "die unbewohnte Insel" von Joseph Haydn. In dieser vom typischen Haydn-Rhythmus geprägten Eröffnung präsentiert sich das Ensemble spielfreudig mit einer ausgezeichneten Bassgruppe und hervorragenden Holzbläserabteilung sowie zwei bestens aufgelegten Hörnern. Einzig in den Violinen offenbaren sich anfänglich noch einige kleine Intonationsschwankungen.

Raum für Solisten

Höhepunkt des ersten Programmteils ist die sinfonia concertante von Mozart. Anke Dill an der Solovioline, die kurzfristig für den erkrankten Ulf Schneider einspringt, und ihr Partner Volker Jacobsen an der Bratsche präsentieren eines der bekanntesten Werke Mozarts auf ganz hohem Niveau. Seit vielen Jahren arbeiten beide Künstler im Bartholdy-Quintett intensiv zusammen, ein großer Vorteil bei diesem komplexen Werk. Konzentriert beginnen beide den ersten, langen Satz und arbeiten das Thema, im Dialog gut abgestimmt, deutlich heraus. Das Orchester nimmt sich sehr zurück, um Raum für die solistische Entfaltung zu lassen. Der langsame zweite Satz erhält die musikalische Freiheit mit großem Ton, ohne das vorgegebene Konzept zu verlassen. Sensibel umgesetzt ist dabei die besonders gut gestaltete Kadenz.

Im Presto des letzten, dritten Satzes zeigen die beiden Solisten eine derart große Spielfreude, dass sie sich ansteckend auf das ganze Orchester überträgt. Technisch makellos und virtuos präsentieren sie das prägnante Thema, das mit viel Witz und Tempo die Spannungskurve bis zum stürmischen Schluss beibehält. Viel Applaus für zwei brillante Solisten, die dieses wundervolle Werk Mozarts zu einem Erlebnis machen.

Nach der Pause beginnt das Ensemble mit zwei Walzern des böhmischen Komponisten Antonín Dvorák für Streicher, bevor die 5. Symphonie von Franz Schubert zum Abschluss eines abwechslungsreichen Abends erklingt.

Sicher geführt

Dirigent Emilsson, ein gebürtiger Isländer, der die Musiker über den ganzen Abend sicher und mit deutlichen Gesten souverän führt, fordert vom Ensemble ein stark akzentuiertes Kopfthema ein, das dem einleitenden Allegro den nötigen Anfangsschub verleiht. Der zweite Satz im andante con moto gelingt dem Kammerorchester hervorragend. Alle Musiker atmen gemeinsam und erzeugen mit einer fein aufeinander abgestimmten Dynamik einen besonderen Hörgenuss, bei dem sich Hörner und Holzbläser exakt in den Streicherklang einbetten, ohne herauszubrechen.

Wie aus einem Guss präsentieren sich die 22 Musiker homogen und schaffen einen Klangteppich, der eine ideale Basis für das nachfolgende Menuett sowie das zupackende Allegro vivace des fulminanten Schlusssatzes liefert.

Das Publikum dankt mit viel Applaus und entlässt das Kammerorchester nicht ohne eine Zugabe. Ein gelungener Auftakt der neuen Spielzeit, die noch einige Höhepunkte verspricht.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.