Wandel verhindert Langeweile

Wenn die Amberger Künstler zu ihrer traditionellen Jahresausstellung einladen, dann kommen nicht nur die Künstler zur Vernissage, sondern auch die Kunstfreunde aus der Region freuen sich über dieses besondere Ereignis in der Amberger Stadtgalerie "Alte Feuerwache". Bild: Hartl

Wenn auf der Jahresausstellung der Gruppe Amberger Künstler aktuelle Werke, die erst im vergangenen Sommer entstanden sind, gezeigt werden, kann es schon mal vorkommen, dass neben der Signatur des Schöpfers die Datumsangabe 08/15 steht.

Alles andere als 08/15 - im Sinne von gewöhnlich - ist die diesjährige Präsentation der elf Gruppenmitglieder und ihrer fünf Gäste geraten. Die Besucher drängen sich um die Bilder, um einen Blick auf sie zu erhaschen. Der eine oder andere wippt zu den jazzigen Klängen von "Leroy Liqueur" - Uli Wähner am Klavier, Saxofonist Mackl Strobl und Mike Scherer, der am Bass für wohlgesetzte tiefe Töne sorgte- und lässt die Atmosphäre der Vernissage zur mittlerweile 42. Jahresausstellung der Künstlergruppe auf sich wirken.

In seiner kurzen Begrüßungsrede philosophierteAmbergs Oberbürgermeister Michael Cerny über "Beständigkeit und Wandel" in der Kunst. Die Beständigkeit findet er in der mehr als vier Jahrzehnte umspannenden Existenz der Gruppe, den Wandel in den Werken der Künstler. "Ohne den Wandel wäre Kunst langweilig!", resümiert das Stadtoberhaupt und attestiert den Ausstellenden eine stete Weiterentwicklung in ihren Arbeiten. Die Jahresausstellungen der Gruppe Amberger Künstler in der Stadtgalerie "Alte Feuerwache" seien immer ein Höhepunkt des Kunstjahrs.

Intensive Farben

Ebenso kurz gestaltet sich die Vorstellung der ausgestellten Werke durch den Gruppensprecher Achim Hüttner, dessen eigene Bilder schon beim Eintreten in die Alte Feuerwache auf der dem Eingang gegenüberliegenden Wand durch ihre intensiven Farben den Blick des Besuchers auf sich ziehen. Sie zeigen unter einem kräftigen Rotschleier historische Bauwerke seiner Heimatstadt. In der selben Abteilung zeigt auch Moritz Hüttner unter dem Titel "Lila" ein Großstadtporträt mit stark verlangsamten Videoaufnahmen, deren Tempo in diametralem Gegensatz zum pulsierenden Leben in einer Metropole stehen.

Auch Heini Hohl entwickelt sein Sujet weiter. Sind seine "Höhlenschweine" im letzten Jahr noch in der Steinzeit angesiedelt, so katapultiert er sie jetzt direkt in den Weltraum. "Noli me tangere" - also "Bitte nicht berühren" - betitelt Berndt Trepesch seine Installation aus Gemälden und Fotokopien, die er nicht wie üblich an die Wand hängt, sondern nur anlehnt.

Hans Lauter zeigt eine Serie von "Reisebildern" und auch Anne Dreiss greift bei ihren ganz speziell bearbeiteten Fotografien, die den Moment nicht auf dem üblichem Fotopapier festhalten, auf Eindrücke von unterwegs zurück. Außerdem steuert sie eine "Collaboration", die in Zusammenarbeit mit ihrem Partner Joachim Krieg entstanden ist, bei. Ulrike Lauter thematisiert den bisher nicht vorhandenen Winter in ihren Acryl-Arbeiten und Lucy Lauter steuert Rainer Maria Rilkes "Panther" bei, just am Abend vor dem 140. Geburtstag des Dichters.

Mit vielen Details

Manfred Wilhelm hat sich für seine abstrakten "Digital Paintings" von der Popmusik der Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts inspirieren lassen. Keine Bilder, sondern Porträtskulpturen hat Hanna Regina Uber in die Feuerwache mitgebracht. An Angela Steinkohls titellose Bleistiftzeichnungen sollte man ganz nahe herangehen, um all die vielen Details zu bewundern, empfiehlt Achim Hüttner. Ebenso verhält es sich mit den "historischen" Drucken - selbstverständlich in limitierter Auflage - von Adi Ritz, in denen die Wimmelbilder von Pieter Bruegel fröhlich ihre Auferstehung feiern.

Qualität der Exponate

Johann B. Ferstl gehört ebenso wie Helmut Rösel zu den Urgesteinen der Gruppe Amberger Künstler und ist wie dieser bekannt dafür, dass er immer wieder Neues und Sehenswertes in die "Alte Feuerwache" mitbringt, wie auch wieder in diesem Jahr. Mit 60 Objekten von den Gruppenmitgliedern und 15 Beiträgen von den Gästen ist die Jahresausstellung wieder reichlich bestückt. Aber nicht die schiere Menge an zeitgenössischer Kunst ist es, die jedes Jahr als Publikumsmagnet im Amberger Kulturleben wirkt und zahlreiche Besucher anlockt, sondern auch die Qualität der Exponate. Auf die kommt es an, und die ist bei der Gruppe Amberger Künstler eigentlich immer gewährleistet.

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Die 42. Jahresausstellung der Gruppe Amberger Künstler ist noch bis 6. Januar in der Stadtgalerie "Alte Feuerwache" im Stadtmuseum Amberg (Zeughausstraße 18) zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11-16 Uhr; Samstag/Sonntag 11-17 Uhr.
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