Wo Radio zum Prädikat wird

Jonas Falkenstein (rechts) und Johannes Krusche (links) mögen ihre Band Joe and the Dudes. Die befindet sich derzeit auf der musikalischen Überholspur. Bild: Hartl

Es gab eine Zeit, da war das Etikett "Radio" so richtig peinlich für Musiker. Bei Joe and the Dudes ist das anders. Die Band um Jonas Falkenstein hat absolut kein Problem mit dieser Schublade - im Gegenteil.

Eines ist Jonas aber doch ein bisschen peinlich. Ausgerechnet heute muss er Anzug tragen. "Ich war bei einer Beerdigung", winkt er gleich ab. "Normalerweise laufe ich nicht so rum." Ein bisserl Rock'n'Roll darf es dann doch schon sein. Aber sonst? "Natürlich machen wir Radiomusik", sagt Jonas Falkenstein. Johannes Krusche nickt zustimmend.

Der Bassist der Band ist zwar noch nicht so lange dabei, das Verständnis untereinander verdient aber die Bezeichnung blind. Jonas und Johannes werfen sich die Stichwörter gegenseitig zu, erzählen und ergänzen sich. Seit 2011 gibt es die Gruppe, nicht erst seit dem Auftritt im ehemaligen Autohaus Peter gehört die Band zu den großen Nummern in der Region. Nun soll es eine Stufe weiter gehen. Emergenza heißt das Zauberwort.

Aber zurück auf Anfang: Falkenstein, da war doch was? Genau! Vater Christian, übrigens ebenfalls Bandmitglied, war auch Teil der legendären A-cappella-Truppe Vocal 5. Klar, dass beim gemeinsamen Band-Projekt von Sohn und Vater ebenfalls die Stimmen im Vordergrund stehen würden. Wer eines der You-Tube-Videos von Joe and the Dudes anschaut, dem fällt vor allem der perfekte Gesang auf. Wüsste man es nicht besser, man würde da schon fast auf einen Fall von Playback schließen.

"Bei den normalen Bands stehen oft die Instrumente im Vordergrund", bringt Jonas die Philosophie der Dudes auf den Punkt. Seine Band hat einen anderen Ansatz: Die Stimmen müssen stimmen, dann läuft die Band zur Höchstform auf. Trotzdem darf es immer ein bisschen mehr sein. Joe and the Dudes haben zum Beispiel schon mit Streichern gespielt, konnten auf diese Weise neue Klangformen für sich entdecken.

Ein großer Fan von Winnie

Und nun also Emergenza. Passt irgendwie auch wieder nicht, das wohl größte Nachwuchsfestival der Welt. Oder gerade deswegen, weil Joe and the Dudes eben nicht in das Schema der gerne mal von härteren Tönen dominierten Reihe passen. Mindjuice waren die bisher erfolgreichsten Amberger Vertreter bei Emergenza. "Ich bin übrigens ein großer Fan von Sänger Winnie", bekennt Jonas und Johannes nickt bestimmt. Musiker kennen oft weniger trennende Genre-Grenzen als ihre Anhänger.

Die erste Runde haben Joe and the Dudes schon überstanden. In Nürnberg waren sie, haben die Jury natürlich vor allem mit ihrem Gesang von sich überzeugt. Hier gab es durch die Bank die Höchstpunktzahl. Nun folgt die zweite Runde: Am Mittwoch, 13. Mai, ab 18.30 Uhr werden Jonas Falkenstein, Johannes Krusche, Simon Pronath, Christian Falkenstein und Moritz Ringeisen im legendären Hirsch in Nürnberg um den Einzug ins Finale kämpfen, das am 12. Juni ebenfalls dort ablaufen soll. "Wir stehen im Hirsch auf der Bühne, stell dir das mal vor", schwärmt Jonas von der Location, die er bisher nur als Zuschauer bei Konzerten kennt.

Doch die Konkurrenz ist hart und stammt zum Teil ebenfalls aus Amberg. Mit den Naughty Dogs hat sich ein Schwergewicht der Metal-Szene für das Halbfinale qualifiziert. Jonas und Johannes finden es toll, freuen sich schon auf den internen Amberger Wettstreit. Wer gewinnen wird, steht für sie aber fest: Joe and the Dudes. Denn ein Ziel heißt: "Wir wollen ins Bundesfinale nach Berlin."

Jede Menge Auftritte

Zuzutrauen ist es der jungen Band. Deren Weg zurzeit nur eine Richtung kennt: steil bergauf. "Es wird mittlerweile zum Teil ganz schön viel", sagt Johannes und zieht einen Zettel mit den nächsten Gigs aus der Tasche: 15.5. JuZ Schwandorf, 10.6. OTH Amberg, 12.6. Marktplatz Amberg, 14.6. Café Rossini, 26.6. Marktplatz Sulzbach. Dazwischen noch ein Auftritt im Autohaus. "Das lässt uns auch nicht mehr los", sagt Jonas.

Und da ist noch die neue CD. Release-Party ist am 6. Februar 2016 im Amberger Congress Centrum. "Das wollen wir vollkriegen", sagen Jonas und Johannes unisono. Dann natürlich wieder mit Orchester und Bläsern. 25 Musiker sollen auf der Bühne sein. Ein bisschen Größenwahn darf dann doch sein. Aber sie werden es schaffen - ob mit oder ohne Anzug, das ist egal.
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