Zwei neue Sonderausstellungen im Luftmuseum Amberg: Flugzeuge von Hans-Jörg Georgi und Kränze ...
Tiefflieger und Rettungsringe

Flugzeuge und Schwimmreifen als Trauerkränze stehen bei den Vernissagen von Hans-Jörg Georgi und Daniel Bräg im Luftmuseum im Mittelpunkt. Bild: Steinbacher
Flugzeuge sausen durch die hellen Räume im Erdgeschoss und Kränze lagern kunstvoll drapiert in der gotischen Hauskapelle im ersten Stock des Luftmuseums. Gleich zwei neue Ausstellungen wurden eröffnet. Lob braucht es wahrlich keines mehr für den Luftmuseumschef Willi Koch. Nicht nur, dass er es geschafft hat, am schönsten Platz in Amberg, in einem der repräsentativsten Gebäude aus dem 14. Jahrhundert, eines der interessantesten Museen der Vilsstadt zu etablieren, wo er jede Menge Luft zum Anschauen, Hören, Fühlen, ja sogar Begreifen bereithält.

Außergewöhnliche Objekte

Er belebt das dreistöckige Haus mit Vorträgen, Lesungen und Konzerten. Außerdem lädt er regelmäßig ein zu Wechselausstellungen über Design, Architektur, Kunst und Technik. Nun bringt er wieder außergewöhnliche Künstler und Kunstobjekte nach Amberg, diesmal mit den Titeln: "Flugzeuge" von Hans-Jörg Georgi (Atelier Goldstein, Frankfurt) und "Kranzabgabe täglich 8 - 16 Uhr" von Daniel Bräg (München). Dauer der Schau: "Traditionsgemäß wieder ein Quartal." Luft und Luftfahrzeuge, das passt. Doch nicht durch Hochglanzoptik oder Modellperfektion bestechen die frei schwebenden, etwa 20 Flugobjekte von Georgi. "Sie wirken eher wie ein Flickenteppich", erläutert in ihrer Einführung Natalie de Ligt (Kuratorin und Autorin). Aus zurecht geschnittenen Pappeschnippseln und mittels Heißkleber arbeitet Georgi seine Modelle mit einer Spannweite von einem halben Meter bis zu eineinhalb Metern. Ein kurzer Film gibt Einblick in seine Arbeitsweise. "Er baut kein Flugzeug. Er durchwandert es", weiß die Expertin.

Georgi, 1949 in Frankfurt geboren, ist Autodidakt. Kinderlähmung und der frühe Tod der Eltern waren große Einschnitte in seinem Leben. Neue Freiheit eroberte er sich durch seine Kunst des Bauens und Zeichnens von Flugkörpern. Seit er im Atelier Goldstein ist, eine Einrichtung der Lebenshilfe Frankfurt, hat er eine Flotte von über einhundert Modellflugzeugen aus Karton gebaut, gezeichnet und geplant. "Die Qualität spricht für sich", sagt de Ligt.

"Komische Sachen"

"Genial" findet auch Museumschef Koch diese Propellerflotte, leitet aber sogleich über zur zweiten Ausstellung in der Hauskapelle mit Arbeiten von Daniel Bräg. "Der macht komische Sachen", behauptet Koch. "Darum bin ich ja hier", kontert Bräg. Und wirklich etwas komisch, aber doch fantastisch passend in den Raum mit den Butzenscheiben, liegen 20 mit Luft gefüllte, dicke, runde Gummi-Trauerkränze auf dem Steinboden. Die Ausstellung mit dem Titel "Kranzabgabe täglich 8 - 16 Uhr" und versammelt Schwimmringe, die im Siebdruckverfahren mit abfotografierten, klassischen Kranzmotiven bedruckt wurden.

Die Blumendekoration mit Rosen, Efeu, Lorbeer und Nelken ergänzen diverse Schleifen. "Letzter Gruß", steht darauf zu lesen, oder "in stillem Gedenken" und "Auf Wiedersehen!". Amberg will der 1964 in Pfullendorf geborene Künstler bestimmt wieder sehen. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München, war 2012 Professor in New York, und lebt und arbeitet heute in München. In Amberg war er zum ersten Mal. Die Stadt mit ihrem Charme, der alten Bausubstanz und der heimeligen Ausstrahlung habe ihn bei seinem ersten Besuch überrascht und sehr beeindruckt.

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Tiefflieger wie Rettungsringe haben eine tiefere Bedeutung. Diese zu erfassen, auf sich einwirken zu lassen und sich eigene Gedanken zu machen, dazu gibt das Luftmuseum drei Monate Zeit. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr; Samstag und Sonntag und Feiertage 11 bis 18 Uhr. //
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