100 Minuten Aufenthalt
Angemerkt

"Einsteigen! Türen schließen!" Nachdem der Schaffner in seine Pfeife geblasen und Bahn-Manager Klaus-Dieter Josel sein Handgepäck im Ablagefach verstaut hatte, dürfte er sich den Schweiß von der Stirn gewischt haben. Aus Amberg nahm er einen Packen von Konzeptskizzen, Plänen und Anträgen mit. Kein Wunder: Der Sanierungsstau ist riesig. Seit dem Neubau des Bahnhofs in den 1960er-Jahren hat sich rund um die Gleise nicht mehr viel getan.

Es war wichtig, dass sich der Konzernbevollmächtigte, und damit der ranghöchste Vertreter der Bahn in Bayern, einmal selbst am Bahnhof umgesehen hat. Die Briefe, die in Sachen Sanierung bisher nach München und Berlin geschrieben wurden, hat der Konzern allesamt wohlwollend beantwortet. Sie landeten aber doch nur in der Ablage. Viel mehr wert war der gemeinsame Fußmarsch von der Ankunftshalle zum Rathaus. Klaus-Dieter Josel musste seinen Rollkoffer die Treppen zur Fußgängerunterführung hinuntertragen - in den trostlosen Tunnel hinein, dessen geflieste Wände von vorne bis hinten mit Graffiti beschmiert sind.

Um 9.43 Uhr stieg der Bahn-Manager aus dem Regionalexpress aus Richtung Nürnberg, um 11.24 Uhr reiste er wieder ab. Der Aufenthalt in Amberg dauerte nur eineinhalb Stunden. Wie wertvoll diese 100 Minuten wirklich waren, wird sich schon im Laufe der nächsten Monate zeigen, wenn es um die Aufweitung des Nadelöhrs Regensburger Straße geht. Die Bahn hatte versprochen, das Projekt spätestens im Frühjahr 2016 anzupacken.

uli.piehler@zeitung.org
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