150 Jahre Bayerischer Lehrerinnen- und Lehrerverband: Vom armen Dorfschullehrer zum geachteten ...
Freude oder Frust am Lernen

"1./2. Stunde fällt aus" - was manche Schüler freut, ist dem BLLV ein Dorn im Auge. Der Verband kämpft gegen die Personalnot an Schulen. Bild: dpa
Vom belächelten armen Dorfschullehrer zum geachteten Pädagogen - und zurück? Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrer- Verband (BLLV) feierte am Freitag sein 150. Bestehen im Amberger ACC. Und der BLLV bleibt seiner Gründungsidee treu: Bildung für alle.

Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny erklärte die "ehemalige und zukünftige Hauptstadt der Oberpfalz" und den Landkreis zur Bildungsregion. Damit schließt sich der Kreis. Denn mit der Gründung des Bayerischen Lehrervereins (BLV), des Vorläufers des BLLV, 1861 im Reichssaal des Rathauses in Regensburg stand die Oberpfalz schon einmal bildungspolitisch im Mittelpunkt.

Der Achdorfer Lehrer Karl Heiß versammelte damals 200 Volksschullehrer, die sich gegen den Widerstand der bayerischen Obrigkeit gemeinsam "Bildung für alle Menschen" auf die Fahnen schrieben. "Heute sind es 60 000 Lehrerinnen und Lehrer", blickt Klaus Wenzel, Präsident des BLLV, auf eine stolze Entwicklung. "Das erforderte damals Mut, denn die Gründungsmitglieder wurden aus dem Dienst entlassen."

Die wirtschaftliche Not der Volksschullehrer war groß, ihre soziale Stellung ganz unten angesiedelt: "Sie waren das Gespött im Dorf, unterstanden der kirchlichen Schulaufsicht, mussten den Mesnerdienst verrichten, Orgelspielen und als Gemeindeschreiber einspringen", sagt Wenzel. Nach einer Allensbach-Umfrage hat sich das Image der Primarlehrer inzwischen deutlich gewandelt: "Sie sind anerkannte Pädagogen", freut sich BLLV-Bezirksvorsitzende Ursula Schroll, "und rangieren in der Beliebtheit der Berufe auf Platz 6 deutlich vor den Studienräten". Allerdings nicht beim Gehalt, was sich auf die Attraktivität des Berufs auswirke: "1992 waren in der Oberpfalz 50 Prozent der Lehrer in Grund- und Mittelschulen Frauen - heute sind es 75 Prozent", sagt Schroll. In den Grundschulen läge der Frauenanteil sogar über 90 Prozent. "Das ist keine gute Entwicklung. Kinder brauchen Männer und Frauen als Vorbilder."

Die Gründe dafür: "Das Einstiegsgehalt eines Studienrats liegt etwa 600 Euro brutto höher, obwohl sie im Gymnasium nur 23 Pflichtstunden leisten, Lehrer in der Grundschule aber 28." Aus Sicht der Bezirksvorsitzenden setze die Staatsregierung falsche Akzente: "Bayern investiert wenig in den Primarbereich, aber viel in alle möglichen Umwege und in die Sekundarstufen. In anderen Ländern ist es umgekehrt." Dabei sei die Grundschule die entscheidende Weichenstellung, ob man Freude oder Frust am Lernen habe.

Wenzel erkennt in der bayerischen Bildungspolitik die Zementierung der Klassenideologie des 19. Jahrhunderts: "Reiche Leute konnten sich in den Oberschulen schon immer gut ausgebildete Lehrer leisten - das ist die Wurzel für das dreigliedrige Schulsystem." Für die Armen reichte der unstudierte Grundschullehrer. Die Grenzen zwischen BLLV und Philologenverband seien inzwischen aufgeweicht: "Zu deren Leidwesen haben wir Tausende Gymnasiallehrer in unseren Reihen."
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