186 Mal erste Zuflucht

Noch schaut es in den Räumen der ehemaligen landwirtschaftlichen Berufsschule in der Adalbert-Stifter-Straße nicht sehr wohnlich aus. Sie wird für knapp 600 000 Euro umgebaut, um als Erstaufnahmeeinrichtung der Regierung für bis zu 186 Flüchtlinge zu dienen. Vor allem die geforderten Brandschutzmaßnahmen sind laut Landratsamt sehr kostenintensiv. Bild: Huber

Läuft alles nach Plan, geht am 1. November die Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen landwirtschaftlichen Berufsschule in der Adalbert-Stifter-Straße in Betrieb. Bei diesem Thema verirren sich sogar ein paar Amberger in den Kreisausschuss.

Derzeit sind in dem Gebäude, dessen Eigentümer der Landkreis ist, die Handwerker mit Hochdruck tätig. "Es wird knapp, das haben wir immer gewusst", sagt Christine Hollederer, die Sprecherin des Landkreises, zum Ende der Arbeiten. Aber auch ein paar Tage Verzögerung wären wohl zu verkraften.

Der Kreisausschuss hat am Montag weitere 298.000 Euro an außerplanmäßigen Ausgaben beschlossen, mit denen der Umbau der ehemaligen Schule zur Aufnahmeeinrichtung finanziert wird. Bereits in der Juli-Sitzung hatten die Kreisräte 300.000 Euro genehmigt. Die Baukosten von knapp 600.000 Euro holt sich der Landkreis von der Regierung wieder, die das Gebäude mit einem vorläufig auf zwei Jahre befristeten Vertrag als Mieter nutzt, um dort eine Außenstelle ihrer Regensburger Erstaufnahmeeinrichtung zu betreiben. Die erste Rate in Höhe von 300.000 Euro ist bereits beim Landkreis eingetroffen. Landrat Richard Reisinger lobte die Zahlungsmoral des Staates in Sachen Flüchtlingsunterbringung: "Das geht wirklich schnell, man muss dem Geld nicht ewig hinterherrennen."

Partner auf 60:40-Basis

Sollten die errechneten knapp 600 000 Euro doch nicht reichen, tragen die zusätzlichen Ausgaben erst einmal der Landkreis und die Stadt Amberg im Verhältnis 60:40. "Aber das können wir uns dann wahrscheinlich auch über den Mietvertrag wieder holen", sagte Reisinger gegenüber unserer Zeitung.

Der Landrat hatte in der Sitzung des Kreisausschusses einige Anlieger der Immobilie in der Adalbert-Stifter-Straße als Zuhörer ausgemacht und sich bei ihnen für ihr Verständnis bedankt. Ihm sei bewusst, dass es rund um die Unterbringung von Flüchtlingen immer viele Ängste gebe. Aber rund um das derzeitige Notquartier in der Walter-Höllerer-Realschule in Sulzbach-Rosenberg habe man "alles niederschwellig lösen können". Dort habe die Bevölkerung auch große Hilfsbereitschaft gezeigt.

Im Gespräch mit der AZ äußerte Reisinger nach der Sitzung noch einmal Verständnis für mögliche Befürchtungen der Anlieger in der Adalbert-Stifter-Straße. "Aber unser aller Leben hat sich verändert", bat er gleichzeitig um Kooperationsbereitschaft und Mitmenschlichkeit.

Bis zum Juli waren Klassen der Schönwerth-Realschule in die frühere Berufsschule ausgelagert. Anschließend wollten die Stadt und der Landkreis sie gemeinsam als Unterkunft für den Notfallplan nutzen. Doch meldete die Regierung Interesse an, hier eine Außenstelle ihrer Erstaufnahmeeinrichtung unterzubringen, bis Anfang 2017 die Bajuwaren-Kaserne in Regensburg dafür zur Verfügung steht. Die Baugenehmigung legt eine Obergrenze von 186 Plätzen fest. Die werden zu 60 Prozent auf die Notfallkapazitäten des Landkreises angerechnet, zu 40 Prozent auf die der Stadt Amberg.
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