29-Jähriger muss zusätzlich "auf Entzug", denn mit Alkohol rastet er aus - Vorstrafe steht auch ...
Haft nach Messerangriffen auf Ehefrau und Polizei

Er kam noch einmal um die Psychiatrie herum. Weil er auf seine Frau und anschließend auf einen Polizeibeamten mit dem Messer losging, muss ein 29-Jähriger aus Schwandorf zweieinhalb Jahre hinter Gitter und außerdem in die Alkoholtherapie.

Die Sache hing am seidenen Faden. Der Angeklagte, das wusste die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts, neigt zu Ausfälligkeiten. Sein Hang zur Gewalt war auch bei der Polizei bekannt. Deswegen rückte sie an einem Sommerabend letzten Jahres mit mehreren Streifenwagen zur Hochrainstraße in Schwandorf aus. Der 29-Jährige hatte dort seine Frau geschlagen, am Hals gepackt und mit einem Küchenmesser bedroht. Vom Täter eher unbeabsichtigt, hatte die 27-Jährige eine leichte Wunde am Oberschenkel erlitten.

Nicht das erste Mal

Als Uniformierte eintrafen, wurde einer von ihnen ebenfalls mit dem Messer angegriffen. Der Beamte trat den Rückzug an, spurtete davon und gab einen Warnschuss ab. Erst dann stoppte der ihn verfolgende Täter. Er war zuvor schon einmal aufgefallen, als er bei einem Streit in Schwandorf eine Machete gezogen und dafür vom Amtsgericht sieben Monate zur Bewährung erhalten hatte. Das Hauptaugenmerk der Strafkammer richtete sich nun auf die psychiatrische Sachverständige Dr. Anna Wunder-Lippert (Nürnberg). Sie bescheinigte dem 29-Jährigen zwar eine psychische Krankheit, ließ aber anklingen, dass er zu seinen Ausfälligkeiten immer nur dann neige, "wenn er Alkohol getrunken hat." Im vorliegenden Fall der beiden Messerangriffe war dies eine halbe Flasche Wodka.

Staatsanwältin Franziska Bücherl verlangte drei Jahre Haft. Sie empfahl den Richtern außerdem, den Angeklagten in eine Alkoholtherapie und in die Psychiatrie einzuweisen. Die beiden Verteidiger Jürgen Mühl (Amberg) und Martin Hutzler (Regensburg) verlangten eine längerfristige Alkoholentzugsmaßnahme.

Lob für Polizeibeamten

Wegen Körperverletzung an seiner Ehefrau, Bedrohung und eines schweren Falls des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verhängte die unter Vorsitz von Roswitha Stöber tagende Kammer zweieinhalb Jahre Haft. Sie schickte den 29-Jährigen außerdem in eine zweijährige Entzugsmaßnahme. Womöglich wird nun auch die noch offene Bewährungsstrafe widerrufen.

Für die Unterbringung in der Forensik sahen die Richter momentan noch keinen Anlass. Noch einmal kam die Kammervorsitzende in ihrer Urteilsbegründung auf die besonnene Reaktion des bei dem gefährlichen Einsatz mit einem Küchenmesser bedrohten Polizisten zu sprechen. Durch sein umsichtiges Verhalten habe "Gott sei Dank" weitaus Schlimmeres vermieden werden können. Seine Ehefrau hat sich zwischenzeitlich vom 29-Jährigen getrennt. "Ich will die Scheidung", ließ sie während des Prozesses wissen.
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