3000 Laster voll mit Giftstoffen

Umweltreferent Dr. Bernhard Mitko, Werner Pettinger, der Prokurist der Gewerbebau, deren Chef Karlheinz Brandelik und Protect-Geschäftsführer Walter Pirner (von links) erläutern die bevorstehende Sanierung. Bild: Hartl

Es dürfte nicht gut riechen, wenn in wenigen Wochen Arbeiter damit beginnen, das letzte Altlasten-Grundstück auf dem ehemaligen Baumann-Areal von Schadstoffen zu befreien. Nach Teer soll's dann stinken. Auf das schlimme Wort "Umweltskandal" reagiert Gewerbebau-Chef Karlheinz Brandelik allergisch.

Laut geworden war dieser massive Vorwurf kürzlich nach einer Info-Veranstaltung für die Anlieger. Einer der Zuhörer schrieb danach an die Redaktion: Die Altlasten auf der Fläche zwischen Arbeitsagentur und Emailfabrikstraße kämen dort mit dem Grundwasser in Kontakt, dieses fließe in südliche Richtung und habe wahrscheinlich bereits sanierten Boden im Dienstleistungszentrum Marienstraße verunreinigt. Der eigentliche Skandal bestehe aber darin, "dass die enorm hohe Belastung des Grundstücks den ehemaligen Verantwortlichen der Stadt und auch der Gewerbebau seit mindestens sechs bis acht Jahren bekannt war und keiner etwas unternommen hat".

"Keine Auffälligkeiten"

"Es gab für uns keine Motive, uns auch nur ansatzweise so zu verhalten", stellt Gewerbebau-Geschäftsführer Brandelik klar. Die Schadstoffe, sagt Ambergs Umweltreferent Dr. Bernhard Mitko, befänden sich in fünf bis sechs Metern Tiefe. Natürlich "gibt es Beeinträchtigungen des Grundwassers auf der zu sanierenden Fläche", fügt Walter Pirner hinzu, der Geschäftsführer der Protect Umwelt GmbH (Sulzbach-Rosenberg) ist. Das Gutachterbüro wird bei der fünf Millionen Euro teuren Bodenaufbereitung die Bauleitung inne haben. "Eine Verunreinigung bereits sanierter Bereiche ist jedoch auszuschließen", unterstreicht Pirner und verweist auf zwölf Messstellen, die "keine Auffälligkeiten" zeigten.

Es könnten schon mal acht Jahre ins Land ziehen bis zum Beginn einer so groß angelegten Altlastensanierung. Das sei "nicht unüblich", meint Pirner dazu. Umfangreiche Planungen, präzise Vorbereitung und die notwendigen Gespräche und Abstimmungen mit verschiedenen Fachbehörden dauerten eben ihre Zeit. Zu keinem Zeitpunkt, versichert Brandelik, sei Gefahr im Verzug gewesen. Überhaupt: "Jeder, der sich bei uns meldet, kriegt vollumfängliche Auskünfte", kündigt der Gewerbebau-Chef Transparenz an.

Laut Projektleiter Werner Pettinger von der Gewerbebau ist die zu bearbeitende Fläche rund 5000 Quadratmeter groß. Hauptschadstoff sei Phenol, zu finden in Teerrückständen. Konkret stamme er aus den alten Brennöfen der einstigen Emailfabrik Baumann, erläutert Pirner. Vergleichbar ist die wahrscheinlich bis Mai 2015 dauernde Altlastenbeseitigung mit der 2010 erledigten Sanierung des Areals neben dem Parkdeck an der Marienstraße, sagt Pettinger.

Rund 60 000 Tonnen

Die Baustelle wird nach Walter Pirners Auskunft etwa ab Mitte November eingerichtet, Anfang Dezember solle die Dekontamination starten. Gering belastetes Material komme beispielsweise auf die ehemalige Schlackenhalde der Luitpoldhütte, Boden, der schwieriger zu entsorgen ist, unter anderem auf spezielle Deponien in Sachsen-Anhalt.

"Was ausgehoben wird, wird sofort abtransportiert", verspricht Brandelik. Er rechnet mit ungefähr 60 000 Tonnen, die weggefahren werden müssen. Das entspreche 2500 bis 3000 Lkw-Ladungen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.