34-Jähriger wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt - "Ich kann mir das nicht erklären"
Viele Fragen nach Tod eines Babys

Symbolbild: dpa
Zuerst glaubte man an einen plötzlich eingetretenen Kindstod. Doch weil die Ursache unklar war, kam die Polizei, wurde mit sofort erfolgter Zustimmung der Eltern eine Obduktion angeordnet. Dabei ergab sich: Das sechs Wochen alte Mädchen hatte schwerste Verletzungen im Bauch- und inneren Kopfbereich. Jetzt sitzt der 34 Jahre alte Vater des Säuglings vor dem Amberger Schwurgericht.

Der Mann aus dem östlichen Kreis Schwandorf ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt und sagt: "Ich kann mir das nicht erklären." Seine Tochter kam am 31. März 2013 im Weidener Klinikum zur Welt, sie starb am 18. Mai des gleichen Jahres. Das Baby musste zunächst vier Wochen auf der Intensivstation bleiben, dann wurde es seinen Eltern übergeben. Ja, räumte der 34-Jährige zum Prozessauftakt ein, es habe schon Probleme mit der Kleinen gegeben. Auffälligkeiten wie etwa schreckhaftes Erwachen aus dem Schlaf, mitunter längere Zeit leer gebliebene Windeln, den zu sich genommenen Fläschcheninhalt erbrochen. Die Eltern teilten sich nach Angaben des Vaters die Pflege, seien sehr bemüht um das Fortkommen ihrer kleinen Tochter gewesen.

Säugling geschüttelt

Am 18. Mai, einem Samstag, ging die Frau mit ihren beiden größeren Kindern zu einem Friseurtermin. Ihr Mann blieb mit dem Baby zurück. Was dann geschah, beschäftigt jetzt das Schwurgericht. Nach Angaben des 34-Jährigen sei das auf einer Decke am Sofa liegende Kind plötzlich hochgeschreckt. Zunächst nichts Außergewöhnliches. Doch dann: "Ich habe sie hochgenommen, auf meine Brust gelegt. Plötzlich war keine Atmung mehr da." Wurde der Säugling geschüttelt? Das, räumte der junge Familienvater ein, sei zumindest ein Mal der Fall gewesen. Um festzustellen, ob da noch Leben in dem Mädchen sei, dessen Kopf nach vorn und hinten gefallen sei.

Geschlagen? Gedrückt? "Ist sie heruntergefallen, sind Sie gestolpert?", wollte die Schwurgerichtsvorsitzende Roswitha Stöber wissen. Der 34-Jährige, dessen Frau während der dramatischen Minuten heimkam, Retter alarmierte und an der Seite ihres Kindes mit ins Weidener Klinikum flog, verneinte jegliche Gewaltanwendung. "Ich kann mir das nicht erklären." Als er damals, mit dem Auto nach Weiden gefahren, im Klinikum eintraf, war seine Tochter gerade gestorben. "Du kommst zu spät", soll seine Frau gesagt haben.

Fall aus bis zu drei Metern

Das Schwurgericht hat eine schwere Aufgabe. Es soll klären, woher die bei einer Obduktion festgestellten Verletzungen rühren. Darunter eine Sprengung der Schädel-Naht, Einblutungen am Ansatz des Sehnervs, ein Serienrippenbruch. "Das entspricht einem Fall aus zwei bis drei Metern Höhe", hat der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl zum Prozessauftakt festgestellt. Äußerlich war allerdings nichts sichtbar gewesen.
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