42-Jähriger wird bei Diebstahl erwischt, geht ins nächste Geschäft, klaut weiter und wird rabiat
Von einem Tatort zum anderen

Er könne sich eigentlich kaum mehr an Einzelheiten erinnern, schickte der Angeklagte voraus. Alkohol spielte keine Rolle, wohl aber hatte der 42-Jährige Drogen konsumiert, als er am 28. Januar dieses Jahres zu einer ungewöhnlichen Diebestour aufbrach. Dabei sorgte er in Geschäften an den Franzosenäckern für Aufregung.

Sachverhalt vor Gericht klar

Staatsanwältin Michaela Frauendorfer listete auf, was sich innerhalb relativ kurzer Zeit ereignete. Zunächst betrat der in Amberg lebende Mann ein Bekleidungsgeschäft, klaute einen Pullover samt Jeans, ließ seine bis dahin getragenen Klamotten in der Umkleidekabine hängen. Das merkte zunächst keiner. Dann ging der Ladendieb ein paar Schritte weiter in den angrenzenden SB-Markt, klaute zwei Kopfhörer und wollte an der Kasse vorbei.

Eine Bedienstete hatte ihn beobachtet, verfolgte den Mann zum Ausgang und holte einen Ladendetektiv zur Verstärkung. Als der 42-Jährige zur Rede gestellt wurde, hagelte es Beleidigungen. Dann leistete er Widerstand, hielt plötzlich einen Schlüssel in der Faust, wollte offenbar zuschlagen. "Räuberischer Diebstahl" nannte das die Staatsanwältin. Der Dieb konnte dennoch bis zum Eintreffen einer Funkstreifenbesatzung festgehalten werden. Er folgte den Polizisten mit ins Unternehmensbüro und kam nach der Anzeigenaufnahme auf freien Fuß. "Mir schien es so, als ob er voll unter Strom stand", hatte die Frau beobachtet, die ihn verfolgte. Was keiner zu diesem Zeitpunkt ahnen konnte: Das unliebsame Intermezzo ging weiter.

Kaum waren die Ordnungshüter fort, startete der Amberger einen erneuten Diebeszug. Diesmal in einem benachbarten Elektromarkt. Dort klaute er eine sogenannte "X-Box" für 500 Euro, wurde dabei nicht entdeckt und lief 200 Meter weiter zu einem Drogeriemarkt. Im Laden nahm er zwei Packungen Rasierklingen, wurde beobachtet und sorgte abermals für einen Alarm bei der Polizei. Wieder rückten Beamte aus. Was folgte, war heftig: Der 42-Jährige leistete Widerstand, trat und schlug um sich, konnte nur mit Mühe gebändigt werden. Dabei zog sich einer der Uniformierten eine blutende Wunde am Finger zu.

Beim Prozess vor dem Schöffengericht stand von Beginn an fest: Der Mann ist seit vielen Jahren drogensüchtig. Man wusste aber auch: Er hat mehrfach Entzugsmaßnahmen abgebrochen. Konnte es deshalb eine weitere Chance geben? Die psychiatrische Sachverständige Dr. Sabine Marschall sprach sich dafür aus, wobei sie aber dazu riet, dies im sogenannten Maßregelvollzug zu tun.

Haft und erneute Therapie

Drei Jahre Haft und eine Unterbringung in der Therapie forderte die Staatsanwältin. Für letztere Maßnahme sprach sich auch Verteidigerin Claudia Schenk (Regensburg) aus. Das unter Vorsitz von Markus Sand tagende Schöffengericht verhängte zwei Jahre und drei Monate Haft, es schickte den achtfach Vorbestraften außerdem auf einen behördlich angeordneten Entzug, der 18 Monate dauern dürfte. Mit der erhofften Beute hätte der seit längerem in einem Notquartier wohnende Mann seine Rauschgiftsucht finanzieren wollen. Momentan sitzt er im Gefängnis und verbüßt Freiheitsstrafen, deren Bewährung widerrufen wurde.
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