50 meisterliche Hobbyköche pflegen Kochkunst und Esskultur
Das löffelt der OB gerne aus

So voll nimmt OB Michael Cerny (knieend) den Mund selten. Aber klar, bei diesem Riesenlöffel musste er es tun, wobei er das vor allem für Zuschauer spaßige Ritual der Chuchi-Köche gerne mitmachte. Löffelmeister Peter Maichle, Großkanzler Robert Eymann (von links) und Günter Kühnlenz (rechts) schenkten ihm nach seinem Wunsch aber gnädig ein. Bild: gf

Der Großkanzler und der Landeskanzler ließen nichts anbrennen: Bei der zweiten Bayern-Marmitage ihres CC-Clubs kochender Männer überhäuften sie die Stoapfalz-Chuchis Amberg mit Lob so überschäumend, wie sonst nicht mal ihre Töpfe überquellen.

Robert Eymann, der Großkanzler in der Bruderschaft Marmite, und sein Landeskollege auf bayerischer Ebene, Dr. Ulf Steger, hoben hervor, dass Amberg mit 17 Köchen im Club zu den größten der etwa 120 Chuchi-Vereinigungen in Deutschland zählt. Zum Treffen mit dem Titel Bayern-Marmitage waren am Wochenende gut 50 meisterliche Hobby-, keine Berufsköche, aus dem ganzen Freistaat, aber auch Gäste aus Ungarn nach Amberg gekommen, um sich von den örtlichen Chuchis verwöhnen zu lassen.

Kochkunst trifft Esskultur

Obwohl erst seit 26 Jahren aktiv, können die Stoapfälzer mit Stolz von sich behaupten, der größte Club hobbymäßig kochender Männer zu sein. Deutschlandweit gibt es etwa 1200 über Chuchi organisierte Mitglieder. In Amberg wird grundsätzlich einmal im Monat oder bei besonderen Anlässen von einer ausgewählten vier- bis sechsköpfigen Crew, teils mit Gastköchen, ein vier oder fünf Gänge umfassendes Menü zusammengestellt. Wie der örtliche Chuchi-Chef Günter Kühnlenz betonte, haben es sich die Männer zum Ziel gesteckt, Kochkunst und Esskultur zu pflegen. Besonders am Herzen lägen ihnen traditionelle, der Jahreszeit angepasste Rezepte sowie die Verarbeitung frischer und regionaler Produkte. Außerdem achte man auf Tischsitten, die selbst bei der jüngeren Generation wieder angesagt seien. Mit gutem Benehmen hinterlasse man den besten Eindruck, meinte der Chuchi-Chef. Zweimal jährlich leiten Stoapfalz-Mitglieder VHS-Kurse und wer bei den Hobby-Köchen einmal mitmachen will, ist nach seinen Worten als Gast willkommen.

Den "Schwägerinnen" und "Brüdern" übermittelte Robert Eymann, angereist aus Bremen, die Grüße des Kapitels und des Großkapitels. Er habe hier im Rathaus feststellen können, dass selbst Stoapfalz-Finger-Food hervorragend schmecke, wie aber insgesamt die bayerische Küche. Landeskanzler Ulf Steger bedauerte, dass die bei den Chuchi-Clubs noch vor 25 Jahren üblichen Großveranstaltungen heute meist ausblieben, denn jüngere Generationen hätten oft andere Interessen als die einstigen Gründer der Kochvereinigungen. Den Stoapfälzern aber bestätigte er, dass sie seit Anbeginn auf einem guten Weg sind und bundesweit größtes Ansehen genössen.

Kartoffel- statt Stoapfalz

Mundartdichter Dieter Radl verdeutlichte, dass aus der Oberpfalz, dem früheren "Armenhaus Deutschlands" eine Nahtstelle mitten in Europa geworden ist. Aus der Stoa- sei die Kartoffelpfalz geworden und damit habe es kaum mehr hungernde Menschen gegeben. Oberbürgermeister Michael Cerny machte anschließend ebenso Appetit: auf Amberg, dessen Vorzüge er gar nicht hochzukochen brauchte, sie schmeckten den Gästen gleich beim ersten Happen. Klar, dass der OB, mit Beifall für seine Ausführungen gestärkt, auch den sogenannten Löffeltrunk bestand.

Das ist ein Ritual nach bestandener Koch-Prüfung oder eine Ehre für Prominente, wie Günter Kühnlenz erläuterte, wobei das Stadtoberhaupt die Füllmenge für den dabei verwendeten Riesenlöffel selbst bestimmen durfte. Michael Cerny gab sich bescheiden beim Einschenken, wollte er doch keine allzu tiefe Suppe auslöffeln müssen. Klar, dass er diese Aufgabe auf Knien - auch das gehört dazu - ohne Schwierigkeiten bestand.
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