54-Jähriger, der seine Jagdhunde misshandelt hat, zieht Berufung zurück und kommt damit ...
"Ihr Verhalten kotzt mich an"

Er schlug, trat und würgte. Wehrlose Hunde, die zum Schluss nur noch winselten, stöhnten und röchelten. Orgien brutaler Gewalt, in Szene gesetzt von einem 54-Jährigen, der nun in einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht saß. Der Prozess war nur von kurzer Dauer. Dann schlossen sich die Aktendeckel.

Im April hatte es einen ersten Prozess vor dem Amtsgericht gegeben. Er endete mit 3600 Euro Geldstrafe und zog zwei Einsprüche nach sich. Der 54-Jährige ließ über seinen Anwalt Jörg Jendricke Berufung einlegen, auch die Staatsanwaltschaft bediente sich dieses Rechtsmittels. Sie hatte acht Monate Haft ohne Bewährung beantragt.

Die Hunde gewürgt

In der ersten Instanz wurde offengelegt, was der Unternehmer und Hobby-Waidmann aus Amberg mit seinen Jagdhunden immer wieder veranstaltete. Er erschien in deren Zwinger, hatte Knüppel und Riemen dabei, drosch auf die Vierbeiner ein, kniete sich auf sie und würgte die Tiere. Dafür gab es Zeugen und ein Video, das vor dem Amtsgericht nicht als Beweismittel zugelassen wurde. Weil, so lauteten die Bedenken, dieser Film ja letztlich unbefugt auf einem dem Mann gehörenden Grundstück angefertigt worden sei.

Was, so lautete damals schon die Frage, wäre geschehen, wenn dieses Video ein an Menschen begangenes Verbrechen gezeigt hätte? Sie bleibt auch nach der Neuauflage des Verfahrens unbeantwortet. Und noch etwas beschäftigte seinerzeit wie auch jetzt beim zweiten Prozess die Leute: Erzieht man so Jagdhunde zum Gehorsam?

Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts sollten die brutalen Ausschreitungen gegenüber den Hunden nun erneut debattiert werden. Doch so weit kam es nicht, obgleich aus München ein Professor der Ludwig-Maximilians-Universität als neu bestellter Gutachter zur Frage, was denn so ein Vierbeiner an Schmerzen empfinde, erschienen war. Denn gleich nach Beginn der Verhandlung stellte der Kammervorsitzende Gerd Dreßler die Frage: "Was soll mit der Berufung von Seiten des Angeklagten erreicht werden?"

Gefängnis beantragt

Richter Dreßler listete auf: 3600 Euro Geldstrafe in erster Instanz, damals von insgesamt fünf Anklagepunkten zwei eingestellt. Und weiter: Vier Monate Haft mit Bewährung seien aus einer anderen Ahndung noch offen. "Das könnte gefährlich für Sie enden", fuhr der Vorsitzende mit dem Hinweis darauf fort, dass die Staatsanwaltschaft wegen der Tierquälereien vor dem Amtsgericht acht Monate Gefängnis ohne Bewährung beantragt habe.

Daraus, so Dreßler, wäre bei einem Schuldspruch eine Gesamtstrafe zu bilden. Womöglich dann nicht in Form einer Geldsumme. Der 54-Jährige beriet sich mit seinem Anwalt. Er, der in erster Instanz eher schweigsam war, akzeptierte schließlich und nahm seine Berufung zurück. Das kam rein rechtlich gesehen einem Geständnis gleich. Was aber, so diskutierten die zahlreich erschienenen Zuhörer aus Tierschützer-Kreisen, würde die Staatsanwaltschaft tun?

Die Antwort auf diese Frage vermochte zu überraschen: Weil man nun quasi ein Geständnis habe und sich seither keine weiteren Gewaltorgien gegenüber Hunden mehr ereignet hätten, nahm Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier ebenfalls seine Berufung zurück. Zuvor aber schrieb er dem 54-Jährigen wörtlich ins Stammbuch: "Ihr Verhalten kotzt mich an!"

Jetzt ist er vorbestraft

Damit war der Prozess beendet. Keine neue Beweisaufnahme, keine Antwort darauf, wie es denn mit einem Hundehaltungsverbot ausgesehen hätte. Der Mann zahlt 3600 Euro, er ist mit den akzeptierten 120 Tagessätzen vorbestraft. (Angemerkt)
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