Abschied von Fußball-Legende

"Pipo" Braun schaffte es mit seinem Talent sogar in eine Serie von Fußballer-Porträts für Sammelalben. Mit diesem Bild war der Amberger an der Seite von Top-Stars bundesweit in diesem Sammelreigen für Fans vertreten. Repro: hfz

Er zählte während seiner aktiven Zeit zu den 250 bekanntesten Fußballern der Bundesrepublik. Einer, der auf dem Spielfeld die Fäden in der Hand hielt. Jetzt ist Christof "Pipo" Braun, ehedem Spielführer des 1. FC Amberg, hochbetagt im Alter von 93 Jahren gestorben.

Der Fußmarsch war weit. Vom Eisbergviertel hinaus in den Osten Ambergs. Väter nahmen ihre Söhne an die Hand und spazierten an Sonntagnachmittagen auf den Mosacherweg. Dort hatte der 1. FC Amberg sein Sportgelände. Als sich die Kabinentür öffnete, lief eine Mannschaft mit Schnürtrikot auf den Platz. Es war schwarz/gelb längs gestreift und wurde von daher "Kartoffelkäferdress" genannt. Dazu trugen die Herren knielange Hosen, benannt nach Schorsch Kennemann.

Legendäre Spiele

Die Fußball-Schlachten vom Mosacherweg sind heute ebenso legendär wie die Spieler des 1. FC Amberg. Namen blieben in Erinnerung: Rudolf Messmann, Max Vetter, Horst Thiem, Walter Schreiner, Werner und Manfred Herbst. An ihrer Seite der Mittelstürmer Christof Braun. Seinen Vornamen kannte kaum einer. Er war der "Pipo" und mit hohem Respekt wurde stets von den Leistungen gesprochen, die dieser Mann auf dem Platz brachte. Falls es einer wagte, ihn rüde anzugehen, erhob sich vielstimmiger Protest. Da wurde nicht ein Spieler, sondern ganz Fußball-Amberg gefoult.

Braun war Spielführer. Ein Taktiker, der mit dem Ball umgehen konnte und stets die Übersicht behielt. Zu ihm sahen besonders die jungen Amberger Nachwuchsfußballer auf und so mancher von ihnen kam mit seinen Eltern in das Sportgeschäft, welches er am Malteserplatz führte, um sich beim Kauf von Schuhen beraten zu lassen.

Erinnerungen, die einem durch den Kopf gehen. Der "Pipo" war mit dabei, als die Elf des 1. FC Amberg nach der am 4. Mai 1952 errungenen bayerischen Amateurmeisterschaft von 8000 Leuten auf dem Marktplatz empfangen wurde. Damit hatte keiner gerechnet. Der damalige Clubvorsitzende Andreas Kummert war dem Team bis zur Stundensäule entgegengefahren und ab dem Nabburger Tor formierten sich die Menschen in dichten Trauben. "Ihr habt den Namen unserer Stadt jetzt auch im Sport populär gemacht", sagte der damalige OB Josef Filbig. Inmitten des Trubels stand der "Pipo". Ein Sportsmann vom Scheitel bis zur Sohle. Bescheiden in seiner Art und dennoch eine lokale Fußball-Legende, deren Namen man bis heute in bester Erinnerung behielt. Auch schon deshalb, weil er seine Leute antrieb und nie aufgab. Später wurde er auch einmal Interimstrainer des Clubs.

Nur vier Oberpfälzer

Im Alter von 93 Jahren ist Christof Braun nun gestorben. Er zählte in den beginnenden 1950-er Jahren zu den namhaftesten Fußballern der Republik. Man weiß das aus folgendem Umstand: Den Zigarettenpackungen von "Supra" und "Roxy" lagen seinerzeit Wertgutscheine bei, die man in Bilder prominenter Kicker eintauschen konnte. Es gab 250 Porträts für Sammelalben. Max Morlock, Helmut Rahn, Toni Turek und Fritz Walter reihten sich ein.

Aus der Oberpfalz kamen vier in die Kollektion: Einer aus Regensburg, einer aus Schwandorf und zwei aus Amberg. Es waren der spätere Amateurnationalspieler Rudolf Messmann und "Pipo" Braun.

Am Donnerstag, 2. Juli, um 14 Uhr ist in der Dreifaltigkeitskirche der Trauergottesdienst für Christof Braun. Anschließend wird seine Urne im engsten Familienkreis beigesetzt.
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