Ärger mit den guten Werken

Alexander Wagner beim Computer-Werkeln. Wenig Freude hat der 44-Jährige derzeit mit dem Amberger Jobcenter. Bild: Hartl

Die Idee fand sogar Sonja Schleicher, die Chefin des Jobcenters, gut: Alexander Wagner hat einen Verein gegründet, der Computer für Bedürftige zur Verfügung stellt. Doch ausgerechnet das Jobcenter bringt Alex Wagner jetzt ordentlich zum Schäumen.

Der Artikel in der Amberger Zeitung über den Verein, den Alexander Wagner mit anderen gerade gründet, um bedürftigen Menschen den Zugang zu billigen Computern zu ermöglichen, war übrigens nicht die Ursache. Aber Alexander Wagner hat Post vom Amberger Jobcenter erhalten. Ausgerechnet an Heiligabend. Und darüber ärgert er sich mächtig.

Aber zurück zum Anfang: Alexander Wagner ist zurzeit selber arbeitslos. Nun ist er auf die Idee gekommen, alte Computer einzusammeln und sie wieder aufzubereiten, um damit Leute zu versorgen, die keinen Zugang zu moderner Medientechnik haben. Der entsprechende Eintrag als Verein ist in Vorbereitung, einen Vorstand gibt es auch schon, die Formalie scheitert derzeit aber einfach am fehlenden Geld.

"Wie ein Verbrecher"

Über diese Aktivitäten erschien im Dezember ein Bericht in der Amberger Zeitung, kurze Zeit später meldete sich das Jobcenter bei Wagner. "Die wollten mit Frist bis zum 8. Januar wissen, was es mit dem Verein auf sich hat und vor allem, ob damit Geld verdient ist", schäumt Alex Wagner. "Da kommt man sich doch wie ein Verbrecher vor, wie ein Schwarzarbeiter", sagt der 44-Jährige. "Da könnte ja vielleicht mal ein Zwanziger hängen bleiben."

Dabei werde in dem Verein jeder Cent, der durch den Verkauf der Rechner hereinkomme, sofort wieder in Ersatzteile investiert. Außerdem müssten die Computer abgeholt und wieder ausgeliefert werden. "Das kostet Sprit, Porto, Verpackung - auch das muss erst einmal bezahlt werden." Entsprechend geladen ist Alexander Wagner, wenn er an das Schreiben des Jobcenters denkt. Und entsprechend "unfreundlich" ist auch seine Antwort an die Behörde ausgefallen.

Anonyme Anzeigen

Sonja Schleicher, die Geschäftsführerin des Jobcenters, bittet um Verständnis. Aus Gründen des Datenschutzes kann sie zwar nicht auf den konkreten Einzelfall eingehen, sie verweist aber "ganz allgemein" darauf, dass bei der Behörde jede Menge an anonymen Anzeigen eingehen. "Und wir müssen jeder dieser Anzeigen nachgehen."

Es sei also kein böser Wille gegenüber Alexander Wagner gewesen. "Ich habe die Idee sogar für sehr gut gehalten, als ich den Zeitungsartikel gelesen habe. Da wusste ich auch gar nicht, dass Herr Wagner Leistungsempfänger bei uns ist."

Die Nachfrage des Jobcenters sei auch nicht böse gemeint. Aber jeder, der hier gemeldet sei, müsse angeben, ob er irgendwo nebenher noch Geld verdiene, ob er ein bisschen als Hausmeister arbeite oder eben einen Verein gründe. "Weil ein Verein ja noch lange nicht heißt, dass er gemeinnützig sein muss." Die Nachfrage des Jobcenters sei also ein ganz "normaler" Vorgang - wenn auch der Heilige Abend als Ankunftsdatum des Briefs nicht besonders glücklich sei. "Da verstehe ich auch den Ärger", sagt Sonja Schleicher.
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