Afghanistan: Trauma nach dem Krieg

Der Krieg in Afghanistan hat Spuren hinterlassen, nicht nur in diesem geschundenen Land, sondern auch bei den Menschen. Viele amerikanische Soldaten, die am Hindukusch gekämpft haben, sind traumatisiert aus dem Einsatz zurückgekommen. Archivbild. dpa

Sie waren im Krieg. Sie nahmen an Kampfeinsätzen teil, sind beschossen worden, Menschen starben vor ihren Augen. Amerikanische Soldaten erlebten die Schrecken des Krieges in Afghanistan hautnah - und in vielen haben Tod und Zerstörung tiefe Spuren hinterlassen.

Von diesen Soldaten und ihren Geschichten berichtete Dr. Bryan Bacon, Lieutenant Colonel der US-Armee, in seinem bewegenden Gastvortrag "The Mental Health Costs of War" an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden.

Dr. Bryan Bacon ist Psychiater. Er leitet heute die Abteilung "Behavioral Health" des Bavaria Health Command der US Army und behandelt Soldaten mit psychischen Problemen. Er kennt die Belastungen, denen Menschen in einem Krieg ausgesetzt sind. Vor 14 Jahren war er Teilnehmer der Operation Enduring Freedom, der militärischen Operation, mit der die USA auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 reagiert hatten. Er betreute Soldaten während und nach ihrem Auslandseinsatz. Er weiß: Der Krieg verändert jeden Menschen, und manchen dramatisch. 30 Prozent der amerikanischen Soldaten kehrten mit psychischen Erkrankungen aus Afghanistan zurück, viele von ihnen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. Diese Menschen waren gebrochen. Sie verhielten sich auffällig, hatten Alpträume, waren selbstmordgefährdet und aggressiv, fanden schwer ins normale Leben zurück.

Bacon schilderte, wie er und seine Kollegen posttraumatische Belastungsstörungen über längere Zeiträume hinweg systematisch untersucht hatten. Er berichtete von den Maßnahmen, um diesen Soldaten zu helfen. Sein wichtigster Ratschlag war damals, Menschen mit seelischen Erkrankungen nicht zurück in den Krieg zu schicken: "War breaks people. If you don't want broken people, don't send them back to war - Don't go to war". Er selbst hat den Einsatz ohne Schaden überstanden. Geholfen hätten ihm Bildung, Religion, Familie und Elternhaus, mit den Schrecken in Afghanistan umzugehen. Zudem war er als Psychiater vom eigentlichen Kriegsgeschehen meistens weit genug entfernt. Einige seiner Kameraden haben die Kriegserlebnisse nicht so gut verarbeitet. Am Ende seines Vortrags erzählte Bacon von deren Schicksalen - von Menschen, die ins Leben zurückgefunden, und von Menschen, die es nicht geschafft haben.

Die Zuhörer stellten am Ende zahlreiche Fragen - ob er noch einmal an einer Kriegsoperation teilnehmen würde und ob er seinen Kindern raten würde, sich für einen Einsatz zu melden. "Keine Phase in meinem Leben war so bedeutend für meine Entwicklung wie Afghanistan", antwortete der Referent. Darauf sei er stolz und würde sich wieder dafür entscheiden. Auch seinen Kindern würde er nicht davon abraten.
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