Aggressiv, aber nicht gut

Artistisch versucht der junge Amberger Tobias Streber den Ball unter Kontrolle zu halten, bewundernd beobachtet vom Erlanger Kevin Gumbert (hinten). Bild: Ziegler

Eine Handballmannschaft besteht aus sieben Spielern, einer davon steht im Tor. Wenn auf dem Feld sich aber nur einer bewegt, und die anderen fünf zuschauen, dann kann das nicht gut gehen. HG-Trainer Roland Schmid musste sich für die zweite Spielhälfte gegen Erlangen/Niederlindach etwas einfallen lassen.

Die Bezirksoberliga-Handballer der HG Amberg fanden am Samstagabend etwas zu spät zu ihrer gewohnten Defensivstärke und mussten sich der HSG Erlangen/Niederlindach unglücklich mit 29:30 (12:17) geschlagen geben.

Ein-Tor-Niederlagen sind im Handball immer besonders ärgerlich und HG-Trainer Roland Schmid befand nach dem Schlusspfiff, dass sein Team aufgrund der gezeigten Moral auch einen Punkt verdient gehabt hätte. Der Übungsleiter sah den Grund für die knappe Heimpleite gegen den Tabellenzweiten im verpatzten ersten Durchgang.

Dort waren sich die Kontrahenten zunächst auf Augenhöhe begegnet, doch nach dem 5:5-Zwischenstand zogen die Gäste aus Mittelfranken davon. Und das nicht über ihr gefürchtetes Konterspiel - Erlangen/Niederlindach erzielte im ersten Abschnitt nur zwei Gegenstoßtore - sondern aus dem Positionsangriff heraus, der eigentlich als Achillesferse der jungen Mannschaft gilt. Die HSG stellte die 5:1-Abwehr (Schmid: "Wir waren aggressiv, aber nicht gut") der Hausherren kontinuierlich vor Probleme und sie schaffte es oft, die Außen freizuspielen - und das mit Winkeln, die auch die gut parierenden Keeper Martin Feldbauer und später Stefan Beyer vor unlösbare Aufgabe stellten.

Im Angriff lief es nicht rund, da sich gegen die laut Schmid "brutal offensive 3:3-Deckung nur der Spieler mit Ball oder der Adressat bewegt und die anderen interessiert zugeschaut haben." Der 12:17-Pausenrückstand aus Amberger Sicht war die logische Konsequenz.

Nach der Pausenansprache nahm der HG-Coach einige Veränderungen vor: Beyer rückte ins Tor, die jungen Jonas Rohrbach und Sean Turner in den Rückraum und die Abwehr wurde auf 6:0 umgestellt. In der Offensive lief es auch gleich besser, doch die Abwehr musste sich nach den Einwechslungen und der veränderten Formation erst noch finden. Dies gelang dann nach einigen Minuten und beim 20:22 schien die Partie zugunsten der Gastgeber zu kippen. Gleichermaßen leichtsinnige Ballverluste durch Fang- und Passfehler ermöglichten der HSG aus dem Nichts Ballgewinne, Konterchancen und eine daraus resultierende erneute Vier-Tore-Führung.

Amberg bewies jedoch große Moral und kämpfte sich zurück. Höhepunkt war der Ausgleich zum 28:28 kurz vor dem Ende. Kleinigkeiten und viel Pech sorgten aber dafür, dass Erlangen/Niederlindach zwei Tore in Serie erzielen konnte: Der Kracher in den Giebel von Tobias Hirsch kam zu spät und so entstand das 29:30-Endresultat. HG-Coach Roland Schmid war enttäuscht über die knappe Niederlage, zollte seinem Team für die kämpferische Leistung aber ein Lob: "Die Zuschauer haben gesehen, dass die Mannschaft wollte. Jeder Feldspieler hat getroffen, leider waren wir einmal zu wenig erfolgreich und in der Deckung zu anfällig."

HG Amberg: Tor: Feldbauer, Beyer Feld: Hirsch (5/4), Andersch, Rohrbach (je 4), Strasser, Turner (je 3), Sammet, Ringeisen, Streber (je 2), Kührlings, Wagner, Gschrei, Schobert (je 1).
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.