"Aicher spielt mit Menschen"

Beim Rohrwerk Maxhütte brodelt es. Aber nicht nur das heiße Eisen ist in Wallung. Auch das Blut in den Adern der Belegschaft kocht - aus Sorge um die eigene Zukunft und die des Unternehmens.

Dass es nicht rosig bestellt ist um die Auftragslage und die Beschäftigten des Rohrwerks, das ist seit Monaten kein Geheimnis mehr. Wie sich die aktuelle Situation aus Sicht der Personalvertretung und der Gewerkschaft darstellt, wurde am Wochenende im Kongresszentrum in Amberg den Delegierten der IG Metall aus dem Bereich der Verwaltungsstelle erläutert.

So fand zunächst Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz König deutliche Worte, als er formulierte: "Seit einem Jahr ist die Kacke nun am Dampfen." Er meinte damit verschiedene Treffen mit der Geschäftsführung. Tonangebend dabei sei seit Monaten der allerdings bereits 2012 ausgeschiedene Ex-Rohrwerks-Boss Karl Reyzl - vorbei an den eigentlichen zwei Geschäftsführern. An dessen Adresse gerichtet, sagte König: "Ich finde es schade, dass er Max Aicher dabei unterstützt, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen."

Opfer der Belegschaft

Der 82-jährige Unternehmer aus Freilassing fordere von der Belegschaft ein Drei-Millionen-Euro-Opfer, ohne selbst Geld ins Rohrwerk stecken zu wollen. Geschehen solle dies mit der Einführung der 40-Stunden-Woche bei gleichzeitiger Bezahlung von 35 Stunden. Zusätzlich sollten etwa zehn Leiharbeiter und rund 20 Festangestellte freigesetzt werden.

Damit nicht genug, fuhr Jürgen Schlegel, der stellvertretende Leiter des IGM-Vertrauenskörpers, fort. Die heuer bereits verweigerte Jahressonderzahlung soll auf unbestimmte Zeit eingefroren werden, klagte er. Außerdem sollten 60 bis 70 Leute freiwillig aus dem Unternehmen ausscheiden. Inzwischen mache sich angesichts eines solchen Kurses bei einigen Kollegen Resignation breit.

Einen weiteren Aspekt streute der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, Udo Fechtner, ein, als er von einem "Unding Aichers" sprach, wenn dieser einerseits die Reduzierung des Rohrwerk-Personals fordere und gleichzeitig MHD-Leiharbeiter dort reinschieben wolle. Dazu fand er klare Worte: "Aicher spielt mit Menschen. Das ist ein ganz dreckiges Spiel." Daran anknüpfend, empfahl er dem Konzern-Chef, er solle die Verantwortung abgeben und den Rest seiner Tage genießen, statt die Leute für blöd zu verkaufen.

"Kriegen das hin"

An die Kollegen im Betrieb sandte Fechtner die Botschaft, sich nicht einschüchtern zu lassen. Mit der Gewerkschaft im Rücken war er sich sicher: "Wir kriegen das hin. Wir werden weitermachen."
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