A.K.T. stellt Fotoprojekt von Gerd Dollhopf aus, das in der harschen Welt am Ural entstand - ...
Von Stolz, Offenheit und Armut der Tataren

Amberg in der Oberpfalz
17.06.2010
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"Allah Bersah - Tataren des Dorfes Nowo Ichsanowo in Bashkortostan, Russland": So ist ein Fotoprojekt von Gerd Dollhopf betitelt, das bis 18. Juli beim Kunstverein Amberg A.K.T. am Viehmarkt 4 ausgestellt ist. Offizielle Eröffnung mit Vernissage ist heute um 19.30 Uhr.

Im Sommer 1999 besuchte Gerd Dollhopf erstmals die Familie seiner Frau Svitlana in Ufa/Bashkortostan auf der Westseite des Ural. Dort, im nahe gelegenen Dorf Nowo Ichsanowo steht das Geburtshaus seines Schwiegervaters Ashat, das dieser noch heute als Datscha bewirtschaftet. Die Bewohner des Dorfes von etwa 100 Häusern sind fast ausschließlich Moslems. Es gibt dort keine asphaltierten oder geschotterten Straßen, kein fließend Wasser, nur drei fest installierte Telefone. Fernsehen und Rundfunk sind nur mit hohen Antennen zu empfangen. Das Leben ist auf die elementaren Notwendigkeiten reduziert.

Nach einer vorsichtigen fotografischen Annäherung an das Dorf und an die Landschaft wurden Situationen des Alltags und schließlich die Portraits der Bewohner der wichtigste fotografische Inhalt für Dollhopf. Von 2002 bis 2007 entstanden großformatige und farbintensive Aufnahmen der Menschen in ihren Wohnräumen. Die Bilder erzählen von den Lebensumständen in diesem Kulturkreis und der Herkunft der Portraitierten, ihrem natürlichen Stolz, ihrer Offenheit und Gastfreundschaft, aber auch von ihrer Armut.
Wichtig war bei der Konzeption der Bildserie auch die Einbeziehung des Innenraums der Holzhäuser, in denen die Tataren leben. Manchmal rutschen die Personen sogar ein wenig aus dem Bildmittelpunkt, weil das Motivumfeld so wichtig erscheint. Die an den Wänden befindlichen Fotografien sind wenige Zeugnisse, die die Bewohner des Dorfes von ihren Angehörigen bewahren. Sie hängen oder stehen an hervorgehobener Stelle im Raum, erinnern an Verstorbene, Verwandte oder die Kinder und sind in den Wohnungen so etwas wie ein Platzhalter für die Abgebildeten selbst.

"Allah Bersah", der Titel der Bildserie, bedeutet in tatarischer Sprache soviel wie "... gebe es Gott". Man spricht diese Formel zum Abschied von geliebten Menschen, meist verbunden mit dem Wunsch, sich in einiger Zeit wieder zu sehen - "so Gott will". Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind jeweils Freitag 15 bis 18 Uhr und Samstag 13 bis 18 Uhr.
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