Als Pfarreien noch wuchsen

Der spätere erste Pfarrer von St. Michael, Hans Hirtreiter, kam während seiner Zeit als Kaplan in St. Martin als Expositus in die während der 60er Jahre noch provisorischen Gemeinde mit einer barackenartigen Notkirche. Auch er hat erhebliche Aufbauarbeit geleistet. Bilder: hfz (2)

Das ist keine Kirchweih der Kirchweih wegen. Die Pfarrei St. Michael feiert am Wochenende ihr 50-jähriges Bestehen.

"Alle Jubeljahre, das passiert ja nicht so oft. Aber wenn, dann muss man auch gut feiern", hat sich Pfarrer Alois Berzl von St. Michael zusammen mit seiner Gemeinde vorgenommen. Die Pfarrei gibt es - das kommt auf den Blickwinkel an - schon oder erst seit 50 Jahren. Deshalb wird das ganze Wochenende über eine dreitägige Kirchweih gefeiert (Programm im Kasten).

Ein Blick zurück in die Geschichte von St. Michael zeigt, dass im August 1963 der erste Erdaushub für die Wohnanlage St. Sebastian erfolgte und bereits zwei Jahre später das Richtfest für die 500. Wohneinheit gefeiert wurde. Am 1. September 1965 wurde der damalige Kaplan von St. Martin, Hans Hirtreiter, als Expositus bestellt, und am 24. Oktober 1965 weihte Prälat Augustin Kuffner eine barackenartige Notkirche ein.

Im Frühjahr 1966 gründete Bernhard Finnmann eine erste Singgemeinschaft St. Michael, aus der sich später der gleichnamige Chor entwickelte. Im April 1966 wurden die Pläne einer eigenständigen Pfarrei noch konkreter, denn das sogenannte D-Programm wuchs weiter. 1968 wurde dann ein Bauwettbewerb für ein Kirchenzentrum St. Michael ausgeschrieben und kommissarisch wurden eine Kirchenverwaltung und ein Bauausschusses seitens der bischöflichen Finanzkammer eingesetzt. Emil Ganslmeier hieß der erste noch provisorische Kirchenpfleger.

Gemeinde formiert sich

Für 12. Mai 1968 war vor diesem Hintergrund die erste Pfarrgemeinderatswahl angesetzt worden, Alfred Fichtl wurde der Vorsitzende. Er bekleidete das Amt bis 1994. Im Keller seines Hauses finden ab Mai 1968 regelmäßige Chorproben statt. Parallel gründete sich ein karitativ-sozialer Arbeitskreis, die Pfarrgemeindeversammlung wich noch in das Josefshaus aus. Im Dezember 1968 erhielt Architekt Baur den Planungs-Auftrag zum ersten Bauabschnitt eines Pfarrgemeindezentrums samt Kirche.

Am 21. Juli 1969 fiel der Startschuss für die Arbeiten, Anfang November erfolgte die Grundsteinlegung. Nach den Richtfesten für die Kirche und das Gemeindezentrum gründeten sich eine eigenständige Katholische junge Gemeinde (KJG) und eine Gruppe der Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB). Am 7. August 1970 wurden in Passau die Glocken gegossen, die Mitte September geweiht und installiert wurden. Ende September 1970 steht die Einweihung der Kirche St. Michael und die Erhebung der bisherigen Expositur St. Michael zu einer selbstständigen Pfarrei an.

Stetiger Aufbau

Hans Hirtreiter wurde zum ersten Stadtpfarrer von St. Michael ernannt. Anfang Oktober kann der Pfarrsaal und das Jugendheim eingeweiht werden. Im November1970 wurde die Eröffnung der Kegelbahn im Pfarrheim gefeiert, nachdem kurz zuvor der Kindergarten St. Michael öffnete. Später gründeten sich noch ein Missions-Arbeitskreis und eine Laienspielgruppe. 1978 wurde der Frauentreff aus der Taufe gehoben und 1980 feierte Stadtpfarrer Hans Hirtreiter sein 25-jähriges Priesterjubiläum. 1992 musste der Kirchenbau einer Betonsanierung unterzogen werden. Am 4. Februar 1995 verstarb Regionaldekan und Pfarrer von St. Michael Hans Hirtreiter und im September wurde Peter Nußbaum sein Nachfolger. 1999 gründete sich der Familientreff St. Michael. Im Januar 2001 stand die Sanierung des Kirchturms an, die Glocken bleiben stumm.

Die Gründung des Lauftreffs St. Michael initiierte Siegfried Kreuzer im November 2001, ein bis dahin für eine Pfarrei ungewöhnliches Betätigungsfeld. Krankheitsbedingt gab es bald darauf Probleme mit der seelsorgerischen Betreuung der Gemeinde. Dennoch blieb sie sehr rege. 2007 wurde ein Anbau am Kindergarten eingeweiht, 2008/09 stand die Sanierung des Pfarr- und Jugendheims an, 2010 wurde eine neue Kegelbahn im Pfarrheim in Betrieb genommen.

2011 trat Peter Nußbaum krankheitsbedingt als Pfarrer von St. Michael zurück und im September übernahm Pfarrer Hermann Berger die Gemeinde. Doch auch er erkrankte schwer. Im vergangenen Jahr wurde eine Außenrenovierung der Kirche und des Turms nötig, und im September trat der heutige Pfarrer von St. Michael, Alois Berzl, seinen seelsorgerischen Dienst an.
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