Als Witzlhof ein Schlachtfeld war

Hier kämpfen nur Zinnsoldaten. In der militärhistorischen Sammlung in der Leopoldkaserne ist damit ein Gefechtsabschnitt der Schlacht bei Amberg nachgestellt: So bekommt man einen Eindruck davon, wie gewaltig das Ausmaß der Kämpfe damals war.
Lokales
Amberg in der Oberpfalz
05.12.2014
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Es war eine verlustreiche Schlacht 1796. Doch warum haben sich Österreicher und Franzosen damals so erbittert bekämpft - direkt vor den Toren Ambergs, in Witzlhof?

Heute erinnert ein Gedenkstein an das Gemetzel: Der große Stein steht genau an der Grenze der Stadt Amberg zur Gemeinde Poppenricht am Straßenrand. Und eine Inschrift verkündet: "Zum Gedenken an die Schlacht bei Amberg zwischen Österreichern und Franzosen am 24. August 1796."

"Tatsächlich hat hier vor 218 Jahren eine unglaublich verlustreiche Schlacht stattgefunden", erklärt Stadtheimatpflegerin Beate Wolters - und hat nachgeforscht, warum Österreicher und Franzosen damals ausgerechnet bei Amberg aufeinander losgingen.

Helmut Scharl, langjähriger Stadtführer, konnte ihr diese Frage sofort beantworten: Grundsätzlich sei es ein Kampf französischer Revolutionstruppen gegen kaiserlich-österreichische Truppen gewesen - "bei dem die Franzosen in die Flucht geschlagen" wurden (siehe dazu "Hintergrund"). Der große Stein inmitten einer ruhigen Landschaft sei also eine Erinnerung "an großes Elend und schreckliches Sterben", so fasst es Beate Wolters zusammen.

Richtig vorstellbar aber wird das Geschehen nach Ansicht der Stadtheimatpflegerin erst in der militärhistorischen Sammlung in der Leopoldkaserne. Hier sei die Schlacht bei Amberg graphisch dar- und ein Gefechtsabschnitt sogar mit Zinnsoldaten nachgestellt. "Hier wird der Soldatenalltag früherer Zeiten mit seinen schweren Lebensbedingungen erlebbar. Hier wird klar, dass Ambergs Geschichte zu einem großen Teil von Kriegen, Soldaten und der Herstellung von Kriegsgerätschaft bestimmt war", betont Wolters: "Soldaten, ihre Unterkünfte, ihre Lebensbedingungen, ihre Ausrüstung und Aufgaben - das ist Bestandteil der Geschichte Ambergs." Die Sammlung mache dies anschaulich.

Dass Amberg oft genauso viele Soldaten wie Einwohner beherbergte und die Stadt immer wieder von Kriegshandlungen betroffen war, sei notwendig, um die Geschichte der Stadt zu verstehen, unterstreicht die Heimatpflegerin. Zwar gebe es überlieferte Lebensläufe nur von Soldaten jüngerer Zeit - "doch werfen solche Schicksale durchaus ein Licht auf die menschlichen Tragödien längst vergangener Generationen". Wolters betont dabei: "Militär und Krieg werden hier nicht verherrlicht, sondern historisch beschreibend, aber auch anschaulich, betroffen machend dargeboten. Jedes Mal bin ich von großer Dankbarkeit für den langanhaltenden Frieden, den ich mein ganzes Leben kenne, wenn ich die Ausstellung verlasse. Insofern ist der Stein in Witzlhof, aber auch die militärhistorische Sammlung, ein Schatz unserer Geschichte."

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