Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Stücke zum Staunen und Stillsein

Fast schon mystisch mutete das überdimensionale Altarbild an. Mit über 100 Kerzen setzten die Organisatoren der Stunde der Besinnung optisch einen Akzent. Dazu passten die Texte von Alex Dorow und die Orgelklänge von Norbert Düchtel perfekt. Bilder: Petra Hartl (2)
Er sprach, es werde Licht und er sah, dass es gut war. Das war die perfekte Hinführung zu einem ganz besonderen Abend: Il Lumina.

Licht, Literatur und Orgel in der Dreifaltigkeitskirche: Professor Norbert Düchtel und Sprecher Alex Dorow hatten eine nicht alltägliche Stunde der Besinnung vorbereitet. Mehr als 100 Kerzen erleuchteten am Samstagabend das Gotteshaus. Das mächtige Altarbild mit der eigenwilligen Dreifaltigkeits-Darstellung erstrahlte in beinahe mystischem Licht. Pfarrer und Hausherr Ludwig Gradl verwies auf das Programm mit Stücken zum Staunen und Nachdenken, alle mit der Überschrift "Licht".

Das Licht als Symbol für den Gegensatz zur Finsternis, damit setzte sich Norbert Düchtel, Dozent an der Hochschule für Musik in Detmold und an der Hochschule für katholische Kirchenmusik in Regensburg, in hervorragender Weise auseinander. Mit den vielfältigen Möglichkeiten seines Instruments, der Orgel, übersetzte er das Phänomen Licht in hörbare Schwingungen. Dazu bediente er sich bei Kompositionen von Theodore Dubois, Jehan Alain und Flor Peeters, bei Naji Hakim, Olivier Messiaen und einer eigenen Orgelmeditation. Man spürte, dass er die Werke nicht einfach nur "herunterspielte", sondern mit Leib und Seele in die Musik eindrang. Seine Spieltechnik war ausgezeichnet, und seine Interpretation bestach durch spirituelle Tiefe und nicht zuletzt durch sein Gespür für das richtige Tempo. Das Phänomen der Streuung des Lichts in alle möglichen Richtungen reizte und beflügelte den mehrfach preisgekrönten Künstler, befeuerte ihn zu Höhen und Tiefen, zu laut und leise.

Naturwissenschaftlich ist die Darstellung von Licht als physikalisches Phänomen schwierig zu erfassen. Religion und Literatur haben es viel leichter. So bediente sich Sprecher Alex Dorow, CSU-Landtagsabgeordneter, ehemaliger Rundfunksprecher und Journalist, auch bei etlichen Bibelworten. Zum Beispiel bei Christus, der wie ein Licht durch die Dunkelheit der Welt führt. Mit sonorer Stimme, ruhig und meditativ geleitete er durch die Texte. So, wie Licht durch den Filter des Auges und des Gehirns wahrgenommen wird, so transportierten seine Worte Licht in Herz und Seele der Zuhörer, die voll andächtiger Stille lauschten.

Die Harmonie von Musik und Wort, von Kirchenraum und Kerzenschein, war ein Genuss für die Sinne, eine gelungene Licht-und-Schatten-Meditation in der Fastenzeit.
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