Am Jordan weit weg vom Jordan

Kameradschaft, Traditionsbewusstsein, Heimatverbundenheit und die große Passion Sport bilden die Komponenten in unserem Schützenverein, die es aufrechtzuerhalten gilt.

Etliche Vereine sind wegen sinkender Mitgliederzahlen schon über den Jordan gegangen. Nicht die Jordanschützen, obwohl sie direkt am Jordan liegen. Doch damit ist in Amberg der gleichnamige Berg gemeint und nicht der Fluss, weshalb die Schützengesellschaft 1890 unverdrossen fortbesteht und heuer sogar ihr 125. Jubiläum feiert.

Darüber freut sich keiner mehr als Vorsitzender Norbert Schmidt. Zumal er den Jordanschützen, wie sie im Volksmund heißen, auch schon seit 52 Jahren angehört und damit fast die Hälfte des Vereinsalters bestreitet, wie er lachend aufrundet. Genau genommen kennt Schmidt seine Schützengesellschaft 1890 Amberg - so heißt sie seit der Wiedergründung nach dem Krieg offiziell - sogar noch länger.

Gesellschaftlich bedeutend

Schon als Kind ist er mit seinen Großeltern regelmäßig dorthin gegangen - nicht nur, um Luftgewehr zu schießen, sondern auch um mit Opa und Oma am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Denn damals waren die Schützenvereine in nahezu jeder Stadt und Gemeinde ein Teil davon, standen nicht nur wegen des Sports hoch im Kurs, sondern galten eben auch als beliebte Treffpunkte mit ihren Stammtischen, Veranstaltungen und generell als Ort der Freizeitgestaltung.

Im Verbund mit den Eltern zog das auch Kinder und Jugendliche an, zumal sie seinerzeit "durchaus gewisse verantwortungsvolle Tätigkeiten übernehmen durften", wie Schmidt berichtet. Dazu zählten zum Beispiel handschriftliche Einträge, die bei Wettbewerben gemacht werden mussten, oder andere kleinere Dienste, bei denen sich der Nachwuchs groß fühlen durfte.

Früher "ganz starke Jugend"

"Dadurch hatten wir eine ganz starke Jugend", erinnert sich der Oberschützenmeister und spricht von mindestens 25 jungen Leuten, die regelmäßig kamen, sich an Training und Wettkämpfen beteiligten. "Damals war das Medien- und Konsumangebot auch noch nicht so groß", erläutert Schmidt und nennt damit einen Grund, warum es heute für die Jordanschützen, wie für viele andere Vereine ebenso, schwierig ist, junge Leute zu gewinnen. Die Ablenkungsmöglichkeiten, das insgesamt gewachsene Angebot und das veränderte Freizeitverhalten machen den Schützengesellschaften starke Konkurrenz. Doch Schmidt und sein Vorstand können im Jubiläumsjahr trotzdem zufrieden sein. Denn sie haben im Moment "einen Aufschwung in der Jugendarbeit". Heißt in Zahlen ausgedrückt: Acht Jugendliche und drei Junioren, "was uns schon freut". Denn ohne frisches Blut würde der Verein zwangsläufig schrumpfen, der aber diese Gefahr mit 80 Mitgliedern derzeit nicht läuft.

Darunter sind laut Schmidt viele Engagierte, die für den nötigen Zusammenhalt sorgen. Dazu gehört er selbst an vorderster Stelle. Norbert Schmidt ist seit drei Jahrzehnten Vorsitzender, zuvor fungierte er acht Jahre lang als Stellvertreter. "Bist du einmal Funktionär, leg' zur Seite dein Gewehr", sagt er schmunzelnd über diese lange Tätigkeit an der Spitze, für die er auch den Wettbewerbssport geopfert hat. Denn mit vielen anderen Aufgaben im Rücken und den ständigen Gedanken daran habe fast zwangsläufig die nötige Konzentrationsfähigkeit beim Schießen etwas abgenommen. "Seitdem treff' ich nix mehr", scherzt Schmidt, bedauert aber natürlich keine Sekunde, sich an vorderster Front bis heute für seinen Verein einzusetzen.

Jubiläumsschießen zum 125.

Nachdem vergangene Geburtstagsfeiern schon öfter mit großen Gauschießen verbunden waren, gibt es diesmal zum 125. ein Jubiläumsschießen für Mitglieder und Gäste. Offiziell begonnen hat es am Freitagabend, dauert aber noch bis Mittwoch, 7. Oktober. Drei Tage später am Samstag ist dann Preisverleihung und Königsproklamation - und damit noch einmal Anlass, stolz auf das 125. Jubiläum zurückzublicken.
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