Am Schlauch gibt's keinen Zickenkrieg

Bei den meisten nicht so beliebt, muss aber sein: Aufräumen. Vor einem zweiten Trainingsdurchgang werden die Schläuche wieder ordentlich in die Tragekörbe hineingefaltet. Nach der Übung müssen die benutzten Exemplare in der Wache gereinigt und zum Trocknen aufgehängt werden - dafür braucht die Wehr den großen Schlauchturm.
 
So ein C-Rohr ist kein Gartenschlauch: Sieht ganz leicht aus, hat aber mächtig Wumms drauf - auch, wenn das Wasser bei der Übung gar nicht voll aufgedreht wird. Gut, dass ein zweiter Mann mit anpackt. Bilder: Stephan Huber (3)
 
Vanessa und Denise Amberger gefällt das Miteinander in der Feuerwehr-Jugend: Mit Michael Koller bauen sie eine Schlauchleitung zusammen.

Der Helm ist zu klein, die Sicherheitsschuhe sind zu groß, die dicken Handschuhe sind gewöhnungsbedürftig. Und die gelbe Einsatzjacke ist die erste Überraschung an diesem Abend: Fühlt sich an wie Daune. Und treibt dem Neuling den Schweiß auf die Stirn, noch bevor er sich richtig bewegt hat.

Schwitzen gehört dazu. Vor allem, wenn man bei seiner ersten Feuerwehr-Übung gleich dem Angriffstrupp zugeteilt wird. Das klingt gefährlich. Ist es in diesem Fall aber nicht, denn der Containerbrand, um den es geht, ist nur angenommen - bei der heutigen Übung wird nicht mit echtem Feuer hantiert.

Würden die Behälter auf dem alten Bauhof-Gelände wirklich in Flammen stehen, dann wäre das mit dem Angriff natürlich eine ganz andere Nummer: Der gleichnamige Trupp kämpft an vorderster Front. Das tut er heute auch, aber mit gebremstem Strahl: Würde Gruppenführer Matthias Lomitzki (16) das Wasser am Schlauch voll aufdrehen, könnten die Fenster des Gebäudes hinter den Containern zerspringen.


Zum Üben reicht auch weniger Druck - doch schon der lässt erahnen, wie sehr man sich im echten Notfall reinhängen müsste: Erstaunlich, wie viel Kraft man braucht, um einen Feuerwehrschlauch zu halten! Matthias lacht. Für ihn ist das Routine, schließlich ist er bereits seit zwei Jahren in der Jugendfeuerwehr. Die besteht aktuell aus 13 Nachwuchskräften, darunter zwei Mädchen, und übt alle 14 Tage, begleitet von erfahrenen Kollegen.

Kameradschaft zählt

Christoph Tresch ist einer von ihnen. Als er 2004 der Wehr beitrat, gab's dort rund zehn Jugendliche. Daraus wurden innerhalb eines Jahres an die 30. "Heute bin ich davon der einzige, der noch da ist", sagt Tresch - und spricht damit ein Problem an: An sich kann die Wehr nicht über Nachwuchsmangel klagen. Schwierig ist es nur, die Jugend über Jahre hinweg bei der Stange zu halten, bis sie alt genug ist, um in die aktive Truppe zu wechseln.

Schwitzen gehört dazu. Vor allem, wenn man bei seiner ersten Feuerwehr-Übung gleich dem Angriffstrupp zugeteilt wird. Das klingt gefährlich. Ist es in diesem Fall aber nicht, denn der Containerbrand, um den es geht, ist nur angenommen - bei der heutigen Übung wird nicht mit echtem Feuer hantiert. Bilder von Stephan Huber


Genau dann aber zieht es viele zu Studium oder Ausbildung in die Ferne. "Von zehn, die einsteigen, bleiben sieben da", bilanziert Tresch, ist mit dieser Quote aber recht zufrieden. Er weiß, wovon er redet: "Das Schöne und Besondere an der Feuerwehr ist die Kameradschaft - da bilden sich gerade bei Jugendlichen Freundschaften." Das geht so weit, "dass man auch außerhalb der Übungen etwas miteinander unternimmt."



Denise Amberger (15) bestätigt das. Natürlich muss jetzt die dumme Frage kommen: Warum geht ein Mädchen nicht lieber ins Ballett? Denises Zwillingsschwester Vanessa lacht laut - und winkt ab. Sie schraubt lieber an der Schlauchkupplung. "Ballett ist nicht so meins", sagt sie. Und: Am C-Rohr "gibt's keinen Zickenkrieg". Feuerwehr ist in diesem Fall Familiensache: "Unser Papa ist Maschinist." Jugendwart ist Markus Amberger auch.

Drängen musste er seine Mädchen aber nicht - sie wollten selbst zur Feuerwehr. Ihr Ziel, wie das ihrer Kameraden: Die aktive Truppe. Dass die beiden Schwestern in der Jugend derzeit die einzigen Mädchen sind, stört sie nicht. Im Gegenteil. Das Teamwork mit den Jungs gefällt Vanessa. An körperliche Grenzen ist sie noch nicht gestoßen: "Es gab bis jetzt nichts, was ich nicht konnte. Und das Wasserplanschen ist auch lustig." Dann blitzt doch ganz kurz ein bisschen Mädchen auf: Als sie die Handschuhe abstreift, kommt knallroter Nagellack zum Vorschein.

Jetzt hat es sich erstmal ausgepritschelt. Die Gruppe tritt an zur Manöverkritik. Ausbilder Tresch ist recht zufrieden. Dann ist Einpacken angesagt: Die Schläuche müssen wieder ordentlich verstaut werden. Das macht den meisten keinen großen Spaß. Muss aber sein. Ebenso wie die Theorie. Doch die sei glücklicherweise kein großes Ding, meint Matthias. Büffeln wie für die Schule müsse man da nicht - weil ja alles ständig praktisch wiederholt werde. Ganz ohne Lernen geht's aber nicht, das zeigt der zweite Übungs-Durchgang. Wie lange ist nochmal ein Element der Steckleiter? Und wie viele davon braucht man, um aufs Garagendach zu kommen? Die Antwort hat keiner parat. Der erwachsene Neuling glänzt mit Augenmaß: Drei Teile sind nötig. Matthias atmet tief durch. Auf die Leiter klettert er nicht so gern: Höhenangst. Aber er überwindet sie.


Das hat gut geklappt. Trotzdem setzt es eine kleine Moralpredigt. Dass keiner die Längen der Leiter-Elemente weiß, das geht nicht, stellt Tresch klar. "Solche Maße müsst ihr kennen". Im Ernstfall könnte sonst kostbare Zeit verrinnen, weil die Leiter noch nachträglich aufgestockt werden muss. Die Konsequenz: "Beim nächsten Mal machen wir Maße, Maße, Maße." Damit ist das Thema aber abgehakt. Die Übung auch: Einpacken! Dazu muss unter anderem Rest-Wasser aus den Schläuchen gedrückt werden, damit diese eingerollt werden können.

Auch Spätberufene

Das nasse Material ist ganz schön schwer, wenn man es ins Feuerwehrauto zurückschleppen muss. "Und? Wär' das was für dich?" Tresch will den Übungsgast nicht einfach so ziehen lassen. Und serviert dafür gleich noch ein Aha-Erlebnis: Feuerwehrdienst mit Mitte 40? "Kein Problem", sagt Tresch - und winkt zum Beweis einen Neuzugang heran. David Ströhl ist 44. Ein Spätberufener. Und erst seit kurzem der achte Hauptamtliche der Amberger Feuerwehr.



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Nachwuchs erwünscht

Die Amberger Feuerwehr nimmt Nachwuchs ab 14 Jahren auf - in einigen ihrer Stadtteilwehren auch schon ab zwölf Jahren. Wer sich dafür interessiert, kann übers Internet auf www.feuerwehramberg.de Kontakt aufnehmen oder an einem Übungs-Mittwoch um 19 Uhr in der Wache am Schießstätteweg vorbeikommen. Mit 18 Jahren können Jugendliche in die aktive Truppe wechseln - wenn sie die Truppführerprüfung bestanden haben. Wer zuvor die Truppmannprüfung abgelegt hat, darf auch schon mit 16 mit den Erwachsenen ausrücken - mit Einschränkungen.

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