Amberg im ersten Kriegsjahr

Die Leopoldkaserne, einst "schönste" Kaserne Bayerns, ging mit Beginn des Ersten Weltkriegs in Betrieb. Quelle: Stadtarchiv Amberg

Auch im Ersten Weltkrieg haben alte Männer die Jugend zu Opfern gemacht. Dabei hätten sie wissen müssen, was Krieg bedeutet.

"Doch von der Realität wurde 1914 nichts erzählt, und nach 1918 wollten viele nichts erzählen", sagt Kreisheimatpfleger Dieter Dörner. Die Rechte habe in der Weimarer Republik sogar jeden bekämpft, der es wagte, von der Kriegswirklichkeit zu berichten. Wahrscheinlich, so Dörner, hat die Allgemeinheit wenig erfahren über den Alltag im Ersten Weltkrieg. Dieser soll Thema des Vortrags von Johann Ott am Dienstag, 2. Dezember, beim Historischen Verein sein. Dabei beschränkt sich Ott auf die Jahre 1914/15 und schildert vor allem, was sich in Amberg veränderte, als von der Friedens- auf die Kriegswirtschaft umgestellt wurde.

Ein Schlaglicht wirft diese Lagebeschreibung auch auf die Kriegsschuldfrage, die durch Clarks "Schlafwandler"-These neuerdings wieder diskutiert wird. Vor Ort kann laut Dörner gezeigt werden, wie gut die Amberger auf den Krieg vorbereitet war: die Stadt und die Sechser.

In seiner Vorschau auf den Vortragsabend hält Dörner fest: "Krieg kann nur geführt werden, wenn die Motivation groß genug ist. Kriegstreibende politische Parteien spielten vor 1914 in Amberg keine wesentliche Rolle, genau so wenig wie pazifistische Gruppen. Wichtiger waren sicher die Verlautbarungen und Hirtenworte der Kirchen. Diese überhöhten den oft schrecklichen Tod zum ,Opfer' für das Vaterland, erklärten den Krieg zum ,Heiligen Krieg'. Dass dies ein gesamteuropäisches Phänomen war, sollte zu denken geben. Nur Papst Benedikt XV. sucht und findet bereits 1915 eine andere Antwort, verwendet in seinem Schreiben an die europäischen Völker auch Worte, die nicht zusätzlich Öl ins Feuer schütten.

Eine wichtige Rolle bei der ideologischen Vorbereitung der jungen Männer spielten auch die Oberschulen. Kirchen und Amberger Oberschulen in den Jahren 1914/15 werden daher Ausgangspunkt der Betrachtungen der ersten Kriegsjahre sein. Denn über diese Quellen lässt sich auch die Stimmungslage im Amberger Bürgertum beschreiben."

Johann Ott spricht um 19.30 Uhr im KEB-Bildungszentrum Amberg, Dreifaltigkeitsstraße 3. Veranstaltet wird der Abend in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung. Der Eintritt ist frei, Gäste sind willkommen.
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