"Amberg immer noch im Herzen"

Als Trainingsanzüge noch aus Ballonseide und Zeitungsbilder schwarz-weiß waren: Miroslav Koubek (links) im Jahr 1992 mit Spieler Stefan Steinl. Bild: Ziegler

Er ist der letzte Trainer des 1. FC Amberg. Mit dem Konkurs des Vereins war auch Schluss für Miroslav Koubek. Nach genau 20 Jahren kommt er nun zurück. Als tschechischer Meister und "Tschechiens Trainer der Saison".

(frü) "Ich freue mich sehr auf das Spiel", sagt der 63-Jährige Miroslav Koubek vor dem Auftritt seines FC Viktoria Pilsen am Donnerstag, 25. Juni (18 Uhr), auf dem Platz des ASV Haselmühl. Gegner ist eine Auswahl aus Amberg-Sulzbach, Weiden und Schwandorf, die unter dem Namen "Amberger Kinder helfen/ASV Haselmühl" antritt. Der Erlös geht an den Verein "Amberger Kinder helfen", der Familien mit schwerbehinderten Kindern unterstützt. Vier Wochen vor dem Start der neuen Saison in der tschechischen Synot-Liga ist es ein erster echter Test für Koubek, der verspricht: "Wir treten mit der kompletten Mannschaft an."

Herr Koubek, bedauern Sie es, dass Ihre Zeit in Amberg so endete?

Koubek: Damals hat mir das sehr leid getan. Aber der Mensch behält sich aus der Vergangenheit nur die positiven Dinge. Das waren dreieinhalb Jahre Arbeit mit sehr guten Leuten, mit einer sehr guten Mannschaft, mit dem Aufstieg in die Bayernliga. Zum Konkurs: Das sind Sachen, die kann ein Trainer nicht beeinflussen.

Welche Eindrücke haben Sie aus Amberg mitgenommen, welche Erinnerungen haben Sie?

Koubek: Es war eine wunderschöne Zeit. Ich erinnere mich besonders gerne an den sehr guten Teamgeist. Die Mannschaft wurde besser und besser, hatte eine gute Zukunft. Ich habe Amberg immer noch im Herzen.

Haben Sie noch Kontakt zu Spielern und Funktionären von damals?

Koubek: Mit der Zeit wurde das immer weniger. Aber mit einem der Spieler habe ich noch sehr guten Kontakt - mit Stefan Steinl.

Der 1. FC Amberg war Ihre erste und einzige Station in Deutschland, wo waren Sie in den Jahren danach?

Koubek: Ausschließlich bei tschechischen Vereinen und dem tschechischen Verband. Mit einer Ausnahme: 2008 trainierte ich in der chinesischen Super League Tijanjin Teda.

Können Sie sich vorstellen, wieder einmal eine Mannschaft in Deutschland zu trainieren?

Koubek: Ja klar! Warum nicht? Aber momentan stehe ich bei Viktoria Pilsen unter Vertrag - dem besten Team Tschechiens. Wenn aber eines Tages ein Angebot kommt und ich frei bin, kann ich mir das sehr gut vorstellen.

Der "neue" FC Amberg hat diese Tage den größten Erfolg der Vereinsgeschichte gefeiert. Haben Sie den Aufstieg in die Regionalliga mitverfolgt?

Koubek: Natürlich! Mit einem Auge war ich beim FC Amberg, wusste immer, wie er spielt. Damals, unser Aufstieg in die Bayernliga, war auch ein sehr schöner Erfolg. Man kann das aber überhaupt nicht mit dem heutigen Regionalligaaufstieg vergleichen. Ich gratuliere dem Verein sehr herzlich zu diesem Aufstieg. Ich wünsche, dass er nächste Saison so gut abschneiden und mit viel Erfolg spielen wird wie diese Saison.

Sie wurden Ende August, in der laufenden Saison, Trainer beim FC Viktoria und führten ihn zum Titel. Was war Ihr Erfolgsrezept?

Koubek: Entscheidend war die Qualität der Mannschaft. Pilsen ist für tschechische Verhältnisse ein großer Club - wie Sparta Prag. Ein sehr wichtiger Faktor war auch die phantastische Atmosphäre unter den Spielern.

Welche Ziele haben Sie für die kommende Saison?

Koubek:In der Champions-League wollen wir auf Fälle die Gruppenphase erreichen. Entscheidend ist aber, welchen Gegner wir in der Qualifikation bekommen. Zur tschechischen Liga: Da kann unser Ziel nur Titelverteidigung heißen.

Und Ihre persönlichen Ziele? Sie wurden zum "Trainer der Saison" gewählt. Könnte für Sie die Nationalmannschaft nicht eines Tages interessant werden?

Koubek: Das ist momentan kein Thema. Pavel Vrba, er war übrigens einer meiner Vorgänger bei Viktoria, hat einen langjährigen Vertrag bei der Nationalmannschaft.

Einige Ihrer Spieler waren bereits in der deutschen Bundesliga aktiv. Wie würde denn Viktoria Pilsen dort abschneiden?

Koubek: Das wäre sicher ein interessanter Vergleich: Ich glaube, dass wir ungefähr im zweiten Drittel der Tabelle spielen würden.

Nach einer harten Woche Lauftraining und dem ersten Vorbereitungsspiel gegen den Viertligisten SK ZCE Pilsen (7:1), geht es am Donnerstag nach Haselmühl. Welchen Stellenwert hat dieses Spiel im Vorbereitungsprogramm?

Koubek: Die ersten Spiele dienen dazu, nach dem Urlaub und dem Konditionstraining das Ballgefühl und die Spielfreude wiederzubekommen. Im ersten Spiel war die Mannschaft noch nicht komplett. Aber am Donnerstag in Haselmühl wird das ein erster echter Test - und wir werden komplett antreten.

Auf was dürfen sich die Zuschauer freuen?

Koubek: Das wichtigste bei diesem Spiel ist der caritative Zweck. Es geht überhaupt nicht um das Ergebnis, es ist egal, welche Mannschaft gewinnt. Wir wollen dem Publikum aber trotzdem sehr, sehr guten Sport auf hohem Niveau zeigen.
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