Amberg.
Taliban drohen mit Hinrichtung

Matthias Konheiser (rechts) steht dem 21-jährigen Ezat Mir Mohammad Amir zur Seite. Der Afghane hat nach seiner Flucht zwei Ziele: die Arbeitsgenehmigung und die Ausbildung zum Metallhandwerker. Bild: gf
(gfr) "Weltoffen und tolerant" will die vor knapp drei Monaten ins Leben gerufene Bürgerinitiative "Amberg hilft Menschen" sein. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, unverschuldet in Not geratenen Menschen zu helfen, Patenschaften zu vermitteln und grundsätzlich das friedliche Miteinander aller Menschen im Stadtgebiet zu fördern.

Unter Lebensgefahr

Mit ihrer ersten großen öffentlichen Aktion machten die Verantwortlichen am Samstag in der Rathausstraße auf sich aufmerksam. In erster Linie ging es darum, Ziele zu erklären und weitere Bürger zu motivieren, sich an den Hilfen zu beteiligen. Das größte Anliegen aber sind Patenschaften für Flüchtlingsfamilien aus Kriegsgebieten, damit sie nach wochen- oder monatelanger Flucht, meist sogar unter größter Lebensgefahr, hier in Amberg zur Ruhe kommen können.

"Unser harter Kern besteht derzeit aus knapp 20 Personen", ließ der BI-Vorsitzende Michael Geiss wissen. In den drei Monaten seit der Gründung seien einige Patenschaften eingegangen worden. So werde ein syrisches Ehepaar mit drei Kindern ebenso betreut wie ein Ehepaar aus der Ukraine sowie eine Familie mit zwei Kindern aus Georgien. Mit der Tafel sei sogar Geld für ein Flugticket gesammelt worden, damit eine Mutter mit ihrem Sohn aus Syrien ausgeflogen werden konnte. Dem Vater war schon zuvor die Flucht gelungen. "Jeder kann mithelfen", sagt Geiss, denn Einkaufshilfe, Fahrdienst, Begleitung zum Arzt oder Behörden seien stets willkommene Hilfe, auch handwerkliche Unterstützung jeder Art.

Flucht dauert vier Monate

Matthias Konheiser zum Beispiel hat eine Patenschaft für Ezat Mir Mohammad Amir übernommen. Der 21-jährige Afghane hatte aus Angst um sein Leben seine Heimat im Januar 2010 verlassen, da ihn die Taliban vor die Wahl gestellt hätten, er könne sich ihnen anschließen oder sie würden ihn erschießen. Vier Monate war er im Iran, Irak und den Balkanstaaten unterwegs, bevor er nach weiteren Umwegen im November 2012 nach Amberg kam und in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kümmersbrucker Straße untergebracht wurde. Das letzte Hab und Gut habe seine Familie zusammengelegt, um die Flucht finanzieren zu können. Derzeit absolviert der Afghane das Berufsvorbereitungsjahr, denn er will unbedingt einen handwerklichen Beruf erlernen.

Die Voraussetzungen wären gegeben, so Matthias Konheiser, denn sein "Patenkind" habe bereits ein sechsmonatiges Praktikum in einem metallverarbeitenden Betrieb in Amberg hinter sich, der Chef sei vollauf zufrieden und der Ausbildungsvertrag liege unterschriftsreif vor. Nur eine Arbeitsgenehmigung stehe noch aus und solle über eine Einzelfallprüfung erlangt werden. (Angemerkt)
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