Amberger ärgere Dich nicht

Gedankenspielereien: Darf es ein begehbares "Mensch ärgere Dich nicht"-Spiel auf dem Marktplatz sein? Oder ein Brettspiel-Tag in der Fußgängerzone? Die Vermarktung von Ambergs berühmtem Sohn, dem Erfinder des Spiels, hat viel Potenzial. Bild: Steinbacher

An einem kalten grauen Novembertag vor 144 Jahren schenkte eine junge Frau namens Luise ihrem Mann Friedrich in einem Haus am Malteserplatz ein Baby: Sie nannten es Josef. Geboren war der Erfinder des später so beliebten Spiels "Mensch ärgere Dich nicht". Jetzt soll mit Ambergs berühmtem Sohn endlich Werbung gemacht werden.

Die Tatsache, dass Josef Friedrich Schmidt 1871 in Amberg auf die Welt kam, war natürlich schon seit längerem bekannt. Der genaue Ort kam jedoch erst Anfang des Jahres heraus. Stadtarchivar Johannes Laschinger recherchierte in städtischen Adressbüchern und fand heraus, dass das Gebäude an der Georgenstraße mit der Nummer 63 das Geburtshaus des berühmten Spieleerfinders ist. Die SPD-Fraktion adressierte jetzt einen Antrag an Oberbürgermeister Michael Cerny, verbunden mit der Bitte, das Geld für eine Gedenktafel bereitzustellen.

Besonderes Anliegen

"Vielen Bürgern ist es ein besonderes Anliegen", begründete Bürgermeisterin Brigitte Netta. Und auch deshalb schickten die Sozialdemokraten noch eine zweite Forderung hinterher: In der Nähe des Kurfürstenbades solle gleich ein Freiluft-Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spielfeld aufgebaut werden. Netta: "Diese Anträge müssen natürlich in die Haushaltsberatung rein. Das kostet in jedem Fall Geld." Ihrer Meinung nach seien es aber gerade diese "Kleinigkeiten", die Amberg besonders liebenswert machen. Voraus ging den beiden offiziellen Anträgen eine ausführliche Debatte im Internet. Den Anstoß dazu gab bereits im August Sabrina Potsch: "Warum gibt es kein großes frei stehendes Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel", stellte sie in der Facebook-Gruppe "Du bist ein echter Amberger, wenn..." die Frage.

Konstruktive Diskussion

Viele beteiligten sich an der laut Netta "äußerst konstruktiven Diskussion". Darunter auch der Amberger Sebastian von der Recke. Er betonte, dass mit so einem öffentlichen Spiel "die Menschen wieder mehr Zeit in ihrer Altstadt verbringen" könnten. Die Vorstellungen, wie das ganze aussehen könnte, sind bei ihm schon ganz konkret: "Es sollte möglichst einfach sein." Auf Farben könnte man verzichten, "da jeder weiß, zu wem er gehört". Entwicklungspotential sah er im Würfel - "vielleicht gibt es ja jemanden, der eine App entwickelt, auf dem man virtuell einen Würfel werfen kann und die anderen sehen das auf dem Display". "Darüber hinaus könnte eine kleine, fest installierte Konstruktion aus Bronze oder Eisen dem Ganzen auch eine wertige Facette geben", ist der Goldschmied der Meinung.

Einen "Mensch-ärgere-Dich-nicht"-Kuchen stellte Heidi Schrader ins Netz - "für die Konditoren in Amberg", kommentierte sie augenzwinkernd und verweist noch auf ihre Heimatstadt Ravensburg, wo bei Spielen im Freien schon mal 30 000 Leute zusammen kommen.

"Die Ideen sprudeln", freute sich Brigitte Netta. Auch in ihrem Postfach stapeln sich die kreativen Vorschläge von Ganzkörper-Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel bis hin zu Wettbewerben oder dem großen Brettspiele-Familientreff vom Malteser- bis zum Marktplatz, ähnlich dem längsten Weißwurstfrühstück der Welt. Konkret werden sollen die Planungen aber erst im neuen Jahr - und daran dürfen die Amberger nicht nur virtuell mitwirken.
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