Amberger G'schichten erzählen von Tumult 1811

Wie aus einem Bericht von Johann Baptist Schiffmann, seinerzeit Rechtspraktikant am Königlichen Landgericht Amberg, hervorgeht, kam es am 13. Oktober 1811 zu einem "tumultuarischen Auftritt" im Heindl-Garten, der späteren Kochkeller-Gaststätte. An jenem Sonntag versammelten sich dort zufällig mehrere Akademiker - "vorzüglich aus dem Grunde, weil man hier nicht befürchten durfte, von ungebildeten Leuten gestört zu werden."

Diese arrogante Hoffnung trog. Schiffmann berichtet: "Hier wurden wir von einigen Bürgerssöhnen gestört, welche nun, um sich zu rächen, weil wir sie mit aller Artigkeit ersucht hatten, das Zimmer zu verlassen, Komplotte machten und uns unter anderem auch ein paar Handwerksburschen an den Hals schickten, welche zwar artig, jedoch mit größter Hartnäckigkeit verlangten, in unserem Zimmer Bier zu trinken." Um das zu beenden, ersuchten die Herren Akademiker schließlich den Wirt Heindl, die Gruppe "aus unserem Zimmer zu schaffen".

Die so Brüskierten wollten diese Schmach jedoch nicht auf sich sitzen lassen. Sie sprachen einen ebenfalls im Heindl-Garten anwesenden Offizier, Oberleutnant von Schäfer, an, der die Sache schließlich zu seiner machte. Wenig später kam eine Menschenmenge, "an deren Spitze mehrere Unteroffiziere mit Seitengewehr", auf das Nebenzimmer zu, in dem die Akademiker saßen. Schiffmann, der gerade dabei war, "wegen Naturbedürfnisses" das Zimmer zu verlassen, wurde erklärt, "dass man diese Juristen herauspeitschen müsse". Er fährt fort: "Ein Unteroffizier sagte, dass man nicht zaudern, Fenster und Türen einhauen sollte. Die Hunde wären bald hinausgeworfen."

Nur mit Mühe gelang es Schiffmann und dem Wirt, Oberleutnant von Schäfer, der Anstifter der Aktion war, in Gegenwart zweier weiterer Offiziere zur Ruhe zu bringen, berichtete das Stadtarchiv in seiner Radioserie "Amberger G'schichten". Schiffmann und ein Herr Fink von Hirschau beschwerten sich demnach anderntags bei Oberstleutnant von Hummel über das Verhalten Oberleutnant von Schäfers.

"Eine weitere Anzeige gegen Schäfer hatte Hauptmann Pesenecker bereits eingereicht", heißt es amüsiert in der Zusammenfassung des Stadtarchivs: Deshalb begann das Regimentsgericht mit einer Untersuchung gegen Schäfer. Dieses bat das Amberger Polizeikommissariat "der Sache umständlich auf den Grund zu gehen". Die Untersuchung hatte schließlich zur Folge, dass der Löwenwirtssohn Lorenz Liersch und Xaver Bruckmüller - wie es hieß - "wegen des Exzesses nach mündlicher Untersuchung mit 24-stündigem Arrest bei Wasser und Brot bestraft wurden." (ath)
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