Amberger Schüler an Schauplätzen des Ersten Weltkriegs
Der Bunker macht noch heute alle fertig

Jonas Stauber, Alexander Titze und Helena Dechand (von links) lächeln, wenn sie von ihren guten Erfahrungen in Frankreich erzählen. Sie haben viel gelernt, was der Krieg für die Menschen bedeutete. Bild: Steinbacher
Sie gehören zum Glück einer Generation an, die den Krieg in Europa nicht aus eigener Anschauung kennt. Aber die drei BOS-Schüler Helena Dechand (22), Alexander Titze (22) und Jonas Stauber (21) haben als Teilnehmer am Argonnen-Projekt des Beruflichen Schulzentrums gesehen, wie der Erste Weltkrieg eine Region verändert hat und ihr Gesicht immer noch prägt. Oft hat das bei ihnen eine Gänsehaut verursacht.

Etwa in dem Bunker, den sie an einem regnerischen Tag besuchten. "Das war für mich das emotionalste Erlebnis dort", sagt Helena Dechand. Schon beim Hinlaufen sei man im nassen Lehm hängen geblieben. Die 20 Leute, die dabei waren, erlebten den Schutzraum als eng, dunkel, unangenehm. "Wir waren nur ein paar Minuten dort und waren schon so down", erzählt die BOS-Schülerin. "Die Soldaten vor 100 Jahren mussten Tage und Wochen da drin bleiben und mussten sich vielleicht mit 200 anderen da reinquetschen."

Jonas Stauber haben vor allem die Soldatenfriedhöfe beeindruckt: "Weit und breit nur Kreuze, und dann ein Massengrab, in dem 10 000 Menschen liegen." Der Friedhof bei Verdun habe eine Dimension, die er sich vorher gar nicht vorzustellen vermochte: "Da kommt man ins Schaudern." Helena Dechand hat das in Servon-Melzicourt ähnlich erlebt: "Einige Mädels hatten auf dem Friedhof Tränen in den Augen." In Verdun verstärkt das Beinhaus von Douaumont, in dem die Gebeine von über 130 000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten liegen, den tiefen Eindruck. "Man schaut in die Fenster rein und sieht überall Knochen."

Alexander Titze fand das unheilbar zerstörte Gelände rund um die umkämpfte Festung Douaumont bei Verdun noch schlimmer. Alles sei übersät von Einschlagkratern, so dass einem bewusst werde, welches unendliche Artilleriefeuer die Soldaten aushalten mussten, die damals dort in Stellung lagen. Dass die Landschaft noch heute tiefe Spuren eines 100 Jahre zurückliegenden Krieges zeigt, "das war für mich das Faszinierendste", sagt Jonas Stauber. Auch in den Argonnen, westlich von Verdun, sei man auf dem Weg von der Unterkunft zu dem Frontlager, in dem die Amberger Schüler arbeiteten, ständig an Spuren von Schützengräben, an Löchern und Einschlagkratern von Granaten vorbeigefahren.

Weil das alles noch davon kündet, wie erbittert sich Franzosen und Deutsche im Ersten Weltkrieg bekämpften, fand Helena Dechand ein kleines Zeichen der Versöhnung umso rührender: Bei einer Gedenkfeier auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Servon-Melzicourt nahmen einige Franzosen in historischen Uniformen teil, aber nicht nur in denen der eigenen Armee, sondern auch in denen der deutschen. "Das war sehr ergreifend."

Einen tiefen Eindruck hat auf die jungen Deutschen zudem die Herzlichkeit gemacht, mit der die Mitglieder des französischen Vereins Comité Franco Allemand auf sie zugekommen sind. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das deutsche Ruhelager im Moreau-Tal zu restaurieren, und erhält dabei jedes Jahr Unterstützung von Amberger Schülern aus dem Beruflichen Schulzentrum.

"Bei den Leuten vom Verein waren ja auch viele ältere Leute dabei. Ich hätte nicht gedacht, dass die so offen sind", zeigt sich Helena Dechand überrascht. Doch selbst, dass man die Sprache des jeweils anderen nicht verstand, habe nicht zu wirklichen Problemen geführt: "Es war eine richtig familiäre Atmosphäre. Sie haben uns gleich mit Champagner begrüßt und auch viel von ihren Familien erzählt."

Helena Dechand, Alexander Titze und Jonas Stauber haben den Projektleiter Daniel Hagn schon gefragt, ob sie nächstes Jahr wieder mit in die Argonnen fahren dürfen. An ihm soll es nicht liegen, sagt der. "Aber das ist eine Frage der Finanzierung. Und die muss jedes Jahr wieder neu auf die Beine gestellt werden."
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