Amoklauf mit Küchenmesser

Er rastete von einer Sekunde auf die andere aus. Erst schlug der 29-jährige Schwandorfer seine Frau, dann bedrohte er sie mit einem Küchenmesser. Als Polizisten kamen, lief der Mann regelrecht Amok und wollte einen der Beamten erstechen. Erst ein Schuss konnte den Täter stoppen. Jetzt steht er vor Gericht.

Das Horrorszenario begann an einem Juliabend letzten Jahres. In Schwandorf fiel ein 29-Jähriger nahezu ansatzlos im Schlafzimmer über seine zwei Jahre jüngere Ehefrau her. Er schlug sie mit Fäusten auf den Kopf, würgte die Wehrlose. Als es ihr gelang, sich den Griffen zu entwinden, holte sie das gemeinsame zweimonatige Baby aus dem Kinderbett, flüchtete quer durch die Wohnung, schloss sich im Badezimmer ein und wartete hier auf Hilfe.

Verstärkung angefordert

Wenige Minuten später fuhr der in ganz Schwandorf wegen seiner Tätigkeit als Stadtrat und früherer Bürgermeister bekannte Dieter Jäger (51) vor. Jäger, Hauptkommissar und Dienstgruppenleiter bei der örtlichen Polizei, brachte einen 22-jährigen Kollegen mit. Die Uniformierten sprangen aus dem Streifenwagen, sie kannten den als gewalttätig beschriebenen Mann und hatten bereits Verstärkung angefordert.

Was dann geschah, war hoch gefährlich. Der Familienvater öffnete, stand in Unterhosen vor den Polizisten. "Vorsicht, der hat ein Messer!", wurden sie von der Ehefrau gewarnt. "Und dann", berichtete Dieter Jäger jetzt der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg, "bin ich um mein Leben gerannt". Der Amokläufer zog mit seinem scharf geschliffenen Küchenmesser aus, wollte es dem Hauptkommissar in den Körper rammen.

Dieter Jäger lief davon, gewann ein paar Meter Abstand. Erst dann griff er zur Dienstwaffe und gab einen Warnschuss in die Luft ab. In seiner lebensbedrohenden Lage hätte er auch gezielt feuern können. Er tat es nicht und hörte nun von der Kammervorsitzenden Roswitha Stöber: "Sie haben besonnen gehandelt." Sein Kollege hatte unterdessen die Ehefrau und deren Säugling in Sicherheit gebracht. Zu den Richtern sagte die 27-Jährige jetzt: "Besonders wenn er Alkohol hat, lebt er in einer anderen Welt". Der Täter flüchtete. Er war nur mit Boxershorts bekleidet. Tags darauf stellte er sich, kam zunächst in U-Haft und dann in die Forensik. Er hatte vor dieser Attacke bereits für andere Zwischenfälle in Schwandorf gesorgt. Sie trugen ebenfalls psychopathische Züge.

Erinnerungslücken

Für den Mann auf der Anklagebank geht es nun um die dauerhafte Einweisung in eine geschlossene Anstalt. Er gab die Vorwürfe zu, machte aber Erinnerungslücken geltend. Wesentlich wird es nun darauf ankommen, wie eine psychiatrische Sachverständige die Ereignisse in Schwandorf beurteilt.

"Das", bilanzierte Polizist Jäger in seiner Zeugenaussage, "war das bisher intensivste Erlebnis in meiner Berufslaufbahn".
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