An sich war das Vorhaben löblich: Der jetzt 41-Jährige wollte seine finanziell schon länger klägliche Lage
Von 20 000 Euro fehlt jede Spur

aufbessern, endlich mal Einkommen haben, nachdem das bisher mehr oder weniger gescheitert war. Die Ausführung allerdings war sträflich und kriminell.

(e) Der Mann hatte bemerkt, dass in dem Getränkemarkt, in dem er arbeitete, nicht der Umsatz zu machen war, wie ihm offenbar in Aussicht gestellt worden war. So war der Entschluss gereift, das Einkommen selbstständig aufzubessern, wie es Richter Markus Sand formulierte.

Verteidiger Jörg Jendricke hatte es so kundgetan: "Er hat das Geld weggenommen, damit es zum Leben gereicht hat." Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht hatte dafür eine ganz andere Einordnung: "Es handelt sich um eine Untreue in zehn Fällen." Sie forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von 24 Monaten für den bereits wegen Diebstahls und Betrugs vorbestraften Amberger. Die Tatsache, dass es aber seine erste Freiheitsstrafe ist, war ausschlaggebend dafür, dass das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Sand wegen gewerbsmäßiger Untreue eine Strafe von 18 Monaten verhängte, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem hat sich der Angeklagte einem Bewährungshelfer zu unterstellen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten - Zeit hat er jetzt ja.

Der gelernte Koch hatte gar nicht den Versuch gemacht, die Taten abzustreiten. Gleichwohl blieben von 13 aufgelisteten Taten zwischen Juli 2012 und Februar 2014 nur zehn übrig. Vor allem galt es, wie die Beweisaufnahme ergab, Abstriche in der vom Geschädigten geltend gemachten Schadenshöhe von exakt 29 834,52 Euro zu machen. Letztlich blieb ein strafrechtlicher Mindestschaden von 10 000 Euro.

Am 1. Juni 2012 hatte der Angeklagte in Amberg per Handelsvertretervertrag mit einem 13 Filialen umfassenden Getränkemarkt im Norden des Stadtgebietes einen eigenen Getränkemarkt auf Provisionsbasis übernommen. Bei gut 10 000 Euro Umsatz sollte der kleinere Markt monatlich liegen, elf Prozent Provision seien vereinbart gewesen. Mit dabei war eine Postfiliale. "Er hat als Leiter des Marktes auf unseren Namen und unsere Rechnung verkauft", sagte der Inhaber der Getränkekette.

Tatsächlich sei der in Aussicht gestellte monatliche Umsatz nicht zu erreichen gewesen, sagte der Angeklagte. "Das hat eigentlich funktioniert bis Mai 2014", gab der Anzeigeerstatter zu Protokoll, dann seien die vereinbarten Zahlungen ausgeblieben, schließlich kam es zu einer Inventur. Dabei sei das Minus aufgefallen. Der Angeklagte war auf die Idee gekommen, mit einer gewissen Kreativität an Geld zu gelangen. Er ließ Einnahmen an der Computerkasse vorbeilaufen, etwa 1000 Euro im Monat - mehr nicht, gestand er.

Die Frage war, wie die vom Inhaber benannte Schadenssumme von 29 834,52 Euro zustande gekommen war. Da gab es viele Tabellen, Aufstellungen und Listen, letztlich konnte der Marktbetreiber keine schlüssige Begründung liefern, die geltend gemachten Beträge konnten nicht sicher eruiert werden. Es war nicht zu klären, wie sich die Warenbestände entwickelt hatten, wie es zu dieser Summe von knapp 30 000 Euro kam. Letztlich blieb, was der Angeklagte eingeräumt hatte: zehn Fälle der Untreue in einer Höhe von 10 000 Euro.
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