Andacht an die tapferen Männer - Verteidigung wurde verhindert
Friedensgruß auf Englisch

Die Stadt gedenkt des Kriegsendes vor 70 Jahren und reicht den Amerikanern noch einmal symbolisch die Hand. Bild: Steinbacher

Am Abend des 22. April 1945 stand das Schicksal Ambergs auf Messers Schneide. In einer würdigen Gedenkfeier gedachte die Stadtspitze vor allem den Männern, die damals das Schlimmste verhinderten.

Oberbürgermeister Michael Cerny erinnerte bei der ökumenischen Andacht in der Paulanerkirche vor allem an die siebenköpfige Gruppe um Julian Keppner, die den Entschluss gefasst hatte, die Verteidigung Ambergs unter allen Umständen zu verhindern. "Aus heutiger Sicht können wir den Männern nur großen Respekt für ihren Mut zollen", sagte der Rathauschef. "Dank ihres Einsatzes ist der Stadt viel Leid und womöglich die Zerstörung erspart geblieben."

Die Initiative für die Feier war von Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger ausgegangen. Die Paulanerkirche bot sich als Ort für den Gedenkakt an, denn nur wenige Meter entfernt, im Gebäude des heutigen Amtsgerichtes, hatte die Wehrmacht ihren Befehlsstand eingerichtet. Von dort aus verhandelte Bürgermeister Sebastian Regler per Telefon mit dem Kommandeur der US-Einheit, die am Nachmittag des 22. April 1945 bereits in Raigering stand.

Unglaublicher Aufschwung

"Das Kriegsende war mehr als das Ende der Kampfhandlungen", sagte der Oberbürgermeister. "Es bedeutete das Ende der Angst, die Befreiung vom Schrecken der NS-Herrschaft und die Hoffnung auf ein Leben in Frieden." Diese Hoffnung sei real geworden. Deutschland und auch die Stadt Amberg habe in den vergangenen Jahren einen unglaublichen Aufschwung erlebt. Der erworbene Wohlstand gebe die Kraft, denen zu helfen, die heute von Krieg und Terror verfolgt sind. Cerny: "Nutzen wir die Erinnerung als Mahnung und als Auftrag uns beständig für den Frieden einzusetzen."

Eine schöne Geste war nicht nur das Zusammenwirken der beiden Konfessionen - die Pfarrer Joachim von Kölichen und Franz Meiler gestalteten die Andacht - sondern auch die Teilnahme hochrangiger Vertreter der US-Armee. Für sie gab es eine Begrüßung und eine Kurzzusammenfassung auf Englisch. Ganz bewusst hatte Pfarrer von Kölichen das 1959 in England formulierte Versöhnungsgebet von Coventry in den Mittelpunkt der Feier gestellt. "Vater vergib!" heißt es darin - und eben nicht "Vater vergib ihnen!". Das Gebet gilt als einer der eindringlichsten Friedensappelle weltweit.

Jegliche Akten fehlen

Minutiös schilderte Dr. Laschinger das Geschehen am 22. April 1945. Wie die Amerikaner von mehreren Seiten aus auf Amberg vorrückten, wie die letzten Wehrmachtssoldaten abzogen und die Stadtspitze mit der NSDAP-Kreisleitung um eine friedliche Übergabe der Stadt rang. Der Stadtarchivar verwies auf die schwierige Quellenlage. Bei den Behörden fehlten jegliche Akten aus dieser Zeit. "Wir sind daher auf Berichte und Überlieferungen angewiesen." Es gebe zwar Protokolle aus den Monaten und Jahren nach dem Kriegsende, doch diese seien natürlich mit "subjektiven Einrücken und nachträglich erworbenem Wissen" versehen.

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