Angeklagter schweigt auch am zweiten Prozesstag - Videofilme im Gerichtssaal gezeigt
Splitternackt und willenlos

Er schweigt noch immer. Dafür reden die Opfer. Am zweiten Prozesstag gegen einen 35-jährigen Schwandorfer geschah dies allerdings hinter verschlossenen Türen. Denn eine der Frauen, die offenbar üblen Sexualattacken zum Opfer fielen, wollte ihre Erlebnisse mit dem ehemaligen IT-Fachmann nicht öffentlich schildern.

Das Ersturteil gegen den Mann, das auf drei Jahre Haft lautete, war vom Bundesgerichtshof aufgehoben worden (wir berichteten). Beim damaligen Prozess kannte man nur eine der mit dem Beruhigungsmittel Diazepam willenlos gemachten Frauen namentlich. Sie belastete den 35-Jährigen schwer. Erst danach meldete sich ein weiteres Opfer. Wie das vonstatten ging, war reiner Zufall: Die Polizei hatte intern nach der Frau gesucht und dazu ein Bild benutzt, das von einem Videofilm stammte, den der 35-Jährige mit seinem Handy produziert hatte.

Ein Polizist aus der südlichen Oberpfalz sah dieses Foto und erinnerte sich einer jungen Frau in seinem Bekanntenkreis. Danach ging alles sehr rasch: Die 25-Jährige, von dem Beamten darauf angesprochen, bejahte einen Zusammenhang und wurde von der Kripo Amberg vernommen. Dabei schilderte sie sinngemäß, dass sie den Mann aus Schwandorf kannte, mehrfach in dessen Wohnung war und zumindest zwei Mal erst nach stundenlangem Tiefschlaf erwachte. Dabei war sie in einem Fall splitternackt.

Angeklagter muss weg

Ob die Oberpfälzerin diese Angaben am Freitag vor dem Landgericht wiederholte, blieb für Beobachter offen. Sie wollte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen, und so geschah es dann auch. Weitere Bedingung der Frau: Während des Dialogs mit Richter Dr. Stefan Täschner musste der Angeklagte aus ihrem Blickfeld verschwinden. Er nahm im Zuhörerraum Platz.

Im weiteren Verlauf des zweiten Prozesstages wurden auch zwei von dem Beschuldigten angefertigten Videofilme im Gerichtssaal gezeigt. Auch das geschah, im Gegensatz zum ersten Verfahren, nichtöffentlich. Die Sequenzen zeigen Frauen, die nackt auf Betten liegen und von einer männlichen Hand begrapscht werden. Eine von ihnen war die 25-Jährige, die zuvor nichtöffentlich ausgesagt hatte. Die andere ist bis heute nicht ermittelt.

Hätten die jetzt zur Debatte stehenden Übergriffe womöglich vermieden werden können? Schon im ersten Prozess war deutlich geworden, dass es im Laufe der zurückliegenden Jahre wiederholt Verdachtsmomente gegen den Schwandorfer gab. Gegen ihn ermittelte die Regensburger und die Nabburger Polizei. Auch dabei ging es um Frauen, denen nach Kontakten mit dem heute 35-Jährigen wegen eines plötzlichen Tiefschlafs die Erinnerung über Stunden hinweg fehlte. Exakt deswegen waren die Nachforschungen später eingestellt worden.

Das Gefühl trügt

Für den zweiten Prozesstag hatte Verteidiger Michael Haizmann eine Erklärung des Angeklagten angekündigt. "Ich habe das Gefühl, dass er sich äußern möchte", ließ der Täschner anklingen. Doch der Mannschwieg weiter.
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