Angst vor dem alten Ratzinger

Zwei, die sich auf Anhieb verstanden: OB Michael Cerny gratulierte gestern Maria Dippel zum 101. Geburtstag und überreichte im Auftrag von Ministerpräsident Horst Seehofer die vergoldete Silbermedaille Patrona Bavariae. Eine Nachfrage bei der städtischen Pressestelle ergab: Die Jubilarin ist nach Maria Wechsler (102) die zweitälteste Ambergerin. Bild: Huber

OB Michael Cerny traute seinen Augen kaum: "Man muss wirklich zweimal hinschauen." Denn Maria Dippel saß "wie eine Junge" am Tisch. Dabei ist die älteste Bewohnerin des Wallmenich-Hauses seit gestern 101 Jahre alt. Auch deswegen hat sie viel zu erzählen. Zum Beispiel Geschichten über die Familie Ratzinger.

Amberg. (tk) Die gebürtige Freisingerin lebte in ihrer Kindheit in Marktl am Inn - jenem Ort, in dem der emeritierte Papst Benedikt XVI. als junger Joseph Ratzinger mit seinem drei Jahre älteren Bruder Georg zur Schule ging. Ihr Lehrer war ein gewisser Michael Blaser, der Herr Papa der Jubilarin Maria Dippel: "Mein Vater hat immer gsagt: ,Die Ratzingers ham zwei gscheide Buam'." Im Gegenzug hatte auch die kleine Maria mit dem Vater der Ratzinger-Brüder zu tun: "Er war Gendarm. Als ich klein war, hatte ich Angst vor ihm." Doch das habe sich schnell gelegt.

Nach der Machtergreifung arbeitete Maria Dippel im Büro der Vereinigten Aluminiumwerke Schwandorf, wo auch ihr späterer Mann Theodor, den sie 1938 heiratete, tätig war. Doch das Leben des Ehepaares stellte sich bald auf den Kopf - wegen des Krieges sowie der Geburt der beiden Kinder Roswitha und Michael. Maria Dippel wurde zur Hausfrau und musste ihren Mann früh betrauern: Er starb 1975 im Alter von 67 Jahren.

Mittlerweile ist die zweifache Mutter und fünffache Großmutter auch stolz auf ihre sieben Urenkel. Sie alle waren vor einem Jahr zur Feier des 100. Geburtstags in das Wallmenich-Haus gekommen, wo die Jubilarin mittlerweile lebt und laut eigenen Aussagen alle Programmpunkte mitmacht. Diesmal ließ es die passionierte Bridge- und Mühle-Spielerin etwas ruhige rangehen.

Da die Augen nicht mehr so wollen, "finde ich es immer schön, wenn mir jemand vorliest". Gestern war das OB Michael Cerny, der ein Glückwunschschreiben von Ministerpräsident Horst Seehofer dabei hatte. Für das Wallmenich-Haus gratulierten Oberin Brigitte Wedemeyer, Heimleiterin Tatjana Richter und Pflegedienst-Chefin Sonja Weigl.
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