Anonyme Krisenversorgung für Kinder und Jugendliche
Die Nummer gegen Kummer

Sie helfen Kindern und Jugendlichen in Notsituationen: Die Telefonberaterinnen der Elternschule. Ab sofort koordiniert Julia Mathes (Dritte von links) ihren Einsatz. Bild: Hartl

Liebeskummer? Probleme in der Schule? Zoff mit den Eltern? Kopf hoch! Die Elternschule Amberg und der Regensburger Kinderschutzbund starten gemeinsam eine anonyme Krisenversorgung für Kinder und Jugendliche.

(upl) Mit ihrem Kinder- und Jugendnotruf hat die Elternschuleam Amselweg echte Pionierarbeit geleistet. Seit ihrer Gründung vor elf Jahren war die Amberger Hotline die einzige ihrer Art in der Oberpfalz. Rund 20 Frauen und Männer waren bislang unter der Rufnummer 0800/5458668 abwechselnd rund um die Uhr telefonisch erreichbar, wenn Kinder und Jugendliche große und kleine Sorgen quälen.

Ab sofort sind die Telefon-Engel von der Vils nun auch offiziell für den ganzen Regierungsbezirk zuständig. Hinzu kommt ein vom Kinderschutzbund Regensburg seit 2009 organisiertes Online-Angebot. Unter der Adresse www.kopfhoch.de können Mädchen und Buben auch im Internet Hilfe anfordern. Am Computer in Regensburg sitzt tagsüber ein speziell ausgebildeter Berater. Wer sich nachts an die Plattform wendet, erhält spätestens am nächsten Morgen eine Rückmeldung.

Alle zehn Jugendämter der Oberpfälzer Landkreise und kreisfreien Städte unterstützen das Gemeinschaftsprojekt. Dadurch ist es möglich, für den Telefon- und Online-Notdienst zwei hauptamtliche Kräfte anzustellen. Am Dienstagabend stellte sich eine davon, die für die Hotline zuständige Sozialpädagogin Julia Mathes, in der Elterschule vor.

Sie sprach von einer "Kooperation mit Modellcharakter". Das Angebot sei deshalb so wertvoll, weil es sich niederschwellig an Kinder und Jugendliche richte. Notruf und Online-Portal seien kostenlos und anonym erreichbar. Im Hintergrund sei ein Team von 45 ehrenamtlichen Fachkräften tätig. Sie vermittelten den Heranwachsenden nicht nur Fachberatungsstellen vor Ort. "Oft lösen sich die Probleme auch, indem auch jemand zuhört."

In der Mehrzahl gehe es um Liebeskummer oder Schulprobleme, berichteten die Telefonberater. "Da kann man auch mal aus der eigenen Lebenserfahrung heraus Ratschläge geben", sagte eine Ehrenamtliche.

Schwieriger werde es, wenn es etwa um sexuellen Missbrauch oder andere mögliche Straftaten gehe. In solchen Fällen orientieren sich die Berater bei dem Telefongespräch an einem Handlungsleitfaden. Ist Gefahr in Verzug, informieren die Projektleiter die Polizei.

"In der Nacht hat die Zahl der Scherzanrufe leider zugenommen", berichtete die Vorsitzende des Vereins Elternschule, Patricia Weiner-Köferl. Deshalb, und weil es zunehmend schwieriger werde, Ehrenamtliche für den Bereitschaftsdienst zu finden, ist die Hotline ab sofort zwischen 22 und 6 Uhr nicht mehr besetzt.

_____

Weitere Informationen im Internet: www.kopfhoch.de.
Weitere Beiträge zu den Themen: Straftat (812)Lea (13790)Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.