Anwalt im Hermelin-Mantel

Der Advokat, neben seinem in Handschellen vorgeführten Mandanten sitzend, trat in ungewöhnlichem Habitus auf: Schwarze Robe mit Hermelinfell-Besatz - weitaus attraktiver als das, was deutsche Juristen während Verhandlungen vor Gericht so tragen.

(hwo) Olivier Collion war eigens aus dem französischen Avignon angereist und sorgte mit seiner Anwesenheit als Strafverteidiger für eine Art Premiere vor dem Landgericht. Darf ein französischer Anwalt vor der deutschen Justiz auftreten?

Die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber hatte ihm das gestattet. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass auch ein deutscher Rechtskundiger mit an der Seite des Angeklagten sein musste. Diese Rolle übernahm Anwalt Ekkehard Zink aus Amberg, der den Beschuldigten schon seit seiner Festnahme am 17. Juni dieses Jahres betreut und vertreten hatte.

Franzose vor Landgericht

Olivier Collion sorgte für eine höchst erstaunliche Vorstellung. Erstmals vor einem deutschen Gericht erscheinend, brillierte er mit glänzenden Sprachkenntnissen, war auch um schwierige Formulierungen nicht verlegen und forschte bei Zeugen fragend nach, als es um den Sachverhalt ging. Der freilich nahm sich für seinen Mandanten heftig aus: Der 41-jährige Franzose war in seinem Heimatland von Hintermännern damit beauftragt worden, 8000 Ecstasy-Tabletten aus Prag zu holen. Mit einem Kumpel ("Er hatte keine Ahnung") brach er auf, überreichte in Tschechien Kontaktmännern ein verschlossenes Geldkuvert und bekam drei Pakete mit Ecstasy in Pillenform.

Pech allerdings für den Franzosen: Schon auf der Hinfahrt hatten ihn Waidhauser Zivilfahnder kontrolliert. Als er wenige Stunden später auf der Rückreise war, sahen die Beamten das Auto erneut bei Vohenstrauß, setzten zur Verfolgung an und stoppten es bei Nabburg. Der Rest war Routine: Pkw beschlagnahmt und durchsucht, in einem Versteck die Ecstasy-Tabletten gefunden. Es war der bis dahin größte Aufgriff dieser Drogenart in der Oberpfalz.

Anwalt Collion setzte sich vehement für seinen Mandanten ein. Der, so sagte er im Plädoyer, habe bisher nur wenige Worte Deutsch in der Amberger Justizvollzugsanstalt gelernt. "Aber wenn er dort länger bleiben muss, wird er wohl Russisch oder Rumänisch lernen", ließ der französische Verteidiger erkennen und offenbarte damit erstaunliche Kenntnisse über den osteuropäischen Häftlingsanteil hinter oberpfälzischen Gefängnismauern.

Es ging um Drogen

Maitre Collion aus der Rue Charloun Rieu in Avignon stieß mit seinem Wunsch auf eine eher milde Strafe nicht ganz auf Ablehnung. Vier Jahre und neun Monate Haft hatte Staatsanwalt Oliver Wagner für den französischen Drogenschmuggler beantragt. Die Strafkammer blieb um ein Jahr unter dieser Forderung. Gleichwohl wird noch geraume Zeit vergehen, bis der 41-Jährige seinen heuer im Sommer geborenen Sohn in die Arme nehmen kann. "Dümmer, wie er sich benommen hat, geht es schlicht nicht mehr", war Anwalt Collions Resümee.

Drunten vor dem Landgerichtsgebäude hatte man dem Rechtskundigen aus dem befreundeten Nachbarland unterdessen ein Knöllchen an den Land Rover gehängt. Nach 13 Minuten Parkzeitüberschreitung gibt es da keinerlei Nachsicht.
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