Anwohner stinksauer

Ein gefährliches Unterfangen: Wenn der Citybus in der Dr.-Robert-Strell-Straße wendet, muss er rückwärts in die Hans-Böckler-Straße einfahren. Ein solches Manöver widerspricht den Unfallverhütungsvorschriften. Bild: Huber

Ohne Einweiser dürfen Busse auf einer öffentlichen Straße nicht mehr rückwärts fahren - auch im Stadtteil Luitpoldhöhe. Dort allerdings kommt es immer noch und im Stundentakt zu solchen Wendemanövern. Die Stadt will damit Schluss machen.

Linie sieben des Amberger Citybusses ist das Sorgenkind des Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS). Immer zur halben Stunde, wenn der gelbe 30-Sitzer am Ende der Dr.-Robert-Strell-Straße ankommt, schaltet der Fahrer den Warnblinker ein und setzt langsam in die Hans-Böckler-Straße zurück. "Das können wir so nicht lassen", sagt ZNAS-Geschäftsführer Hans-Jürgen Haas. "Im Winter hätte es an dem Eck beinahe gekracht."

"Unzumutbare Umstände"

Bei der Stadtverwaltung ist das Problem schon längere Zeit bekannt. Der Verkehrsausschuss fasste deswegen im November vergangenen Jahres den Beschluss, die letzte Haltestelle in der Dr.-Robert-Strell-Straße aufzugeben und die Busse stattdessen ein paar Hundert Meter entfernt über die Hörburger Straße eine Schleife fahren zu lassen, so dass sich die gefährlichen Rückwärts-Manöver erübrigen. Der Beschluss erging einstimmig. Doch nun, kurz vor der Umsetzung, gehen die Anwohner auf die Barrikaden.

Sie halten die nur 4,5 Meter breite Hörburger Straße für viel zu eng. Weil der Bus tatsächlich Probleme hätte, die Strecke bei Gegenverkehr und parkenden Autos zu passieren, ist die Einführung eines absoluten Halteverbotes geplant. Außerdem soll in der Hörburger Straße eine Einbahn-Regelung gelten.

Die Anwohner sind stinksauer. Es entstünden "unzumutbare Umstände", heißt es in einem Brief an Oberbürgermeister Michael Cerny, den mehr als 50 Leute aus der Nachbarschaft unterschrieben haben. Sie sehen ein Stück ihrer Lebensqualität schwinden, wenn sie auf der Straße vor ihren Häusern nicht mehr halten, geschweige denn parken dürfen. Was ist mit dem Pflegedienst, der schnell mal vorbeikommt, mit dem Paketservice, mit Handwerkern und Heizöllieferanten? Fragen, die das Rathaus beantworten soll.

"Wir haben vollstes Verständnis für die Sorgen und Nöte der Anwohner", unterstreicht Hans-Jürgen Haas. "Aber es ist schlichtweg keine Alternative in Sicht." Um einen Wendehammer für die zwölf Meter langen Busse zu schaffen, könnte die Stadt theoretisch kein Grundstück am Ende der Dr.-Robert-Strell-Straße kaufen. Entsprechende Vorgespräche haben stattgefunden. "Eine kurzfristige Lösung ist hier nicht zu erwarten", heißt es dazu im Sachstandsbericht des Tiefbauamtes. Die Umsetzung des Beschlusses war für das Frühjahr angekündigt, verzögert sich nun aber. "Für die Maßnahme soll eine Förderung beantragt werden", erklärt Stadt-Sprecherin Susanne Schwab. "Erst wenn die Zusage vorliegt, können wir anfangen."

Auch in Alt-Eglsee

Der ZNAS hat noch weitere, ähnlich geartete Sorgenkinder. Die Busse von Linie sechs müssen beim Wenden in Alt-Eglsee derzeit immer noch rückwärts in eine Seitenstraße zurückstoßen. "Und draußen auf dem Land gibt es eine ganze Reihe ähnlicher Fälle", sagt Haas. Bis im nächsten Jahr die Buslinien neu ausgeschrieben werden, müssen all diese Rücksetz-Manöver aus den Fahrplänen getilgt werden. (Angemerkt)
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