AOK und Apotheker präsentieren Ergebnis ihrer Aktion "Arzneimittel sicher einnehmen" - ...
Medikamenten-Mix mitunter bedenklich

"Spitzenreiterin" war eine Frau, die 19 Medikamente einnimmt. Sicherlich, die Dame ist chronisch krank. Aber ob all die Pillen wirklich sein müssen oder ob sie sich um ein paar reduzieren lassen? Um Fragen wie diese ging es bei der Aktion "Arzneimittel sicher einnehmen - machen Sie mit", die die AOK zum zweiten Mal mit den Apothekern in Amberg und im Landkreis sowie zum ersten Mal im Landkreis Schwandorf initiiert hatte. Der Medikamenten-Check lief vom 1. Juni bis 31. Juli, gestern zogen die Verantwortlichen Bilanz.

Im Schnitt fünf Wirkstoffe

"Viele ältere Menschen nehmen fünf oder mehr Arzneien gleichzeitig", informierte AOK-Direktor Wolfgang Händlmeyer. Mit der Zunahme von Krankheiten steige auch die Zahl der verordneten Medikamente. Nehme ein Patient fünf oder mehr Wirkstoffe miteinander ein, spreche man von Polypharmazie oder Multimedikation. "Das trifft auf 40 Prozent der Deutschen über 65 zu", fuhr er fort. Jedoch könnten Wechselwirkungen durchaus zu Komplikationen, ja sogar zum Tod führen.

"Viele, insbesondere Ältere, unterschätzen dieses Risiko", warnte Händlmeyer vor allzu leichtfertigem Umgang, insbesondere mit selbst beschafften Präparaten wie Schmerzmitteln, Vitaminen oder Säften, die in Kombination mit Arzneien zu Problemen führen können.

AOK-Beratungsapothekerin Dr. Cornelia Hahn-Graßhoff präsentierte die Daten zum Medikamenten-Check. Insgesamt beteiligten sich in der Stadt und im Landkreis 107 Menschen (57 Prozent Frauen, 43 Prozent Männer) und damit weniger als im vergangenen Jahr. Der Altersdurchschnitt lag bei 66 Jahren, der der eingenommenen Wirkstoffe bei fünf. Die Höchstanzahl von 19 Wirkstoffen, die eine Seniorin hatte, bezeichnete Hahn-Graßhoff als eine "mit Sicherheit bedenkliche Kombination".

Bei 73 Prozent bestand nach ihren Angaben ein Beratungsbedarf. Hahn-Graßhoff nannte auch das Ergebnis: Bei 56 Prozent bestanden Wechselwirkungen, "die die Ärzte sicherlich so nicht auf dem Schirm hatten", bei jedem Vierten war die Anwendung der Medikamente unklar und jeder 20. war überversorgt - beispielsweise mit zwei Blutdruckmitteln oder zwei Arzneien gegen Gicht.

Wie beim Autofahren

Je mehr Medikamente eingenommen werden, desto mehr Wechselwirkungen treten auf, unterstrich Privatdozent Dr. Dietrich Paper als Vertreter der Apotheker. Auch er bestätigte, dass ein erhöhter Beratungsbedarf besteht. "Das waren nicht nur Leute, die nach einem Herzinfarkt riesige Mengen an Medikamente einnehmen müssen." Sehr viele hätten diese Arzneimittel schon sehr lange. Dass es zu Wechselwirkungen kommen könne, sei ihnen nicht bewusst gewesen. "Wir sagen ihnen dann, was zu beachten ist, dass zum Beispiel Laborwerte überwacht werden müssen." Paper verglich es mit dem Autofahren. Das sei vom Prinzip her gefährlich. "Bei entsprechender Pflege des Autos und Kompetenz des Fahrers beherrscht man die Gefahr."

Händlmeyer betonte, dass ein Ziel der Aktion auch sei, die Kommunikation zwischen Arzt, Apotheker und Patient zu verbessern. Wie gut diese funktioniert, belegte Apothekerin Judith Dittrich mit einem Beispiel: Entdeckt worden sei eine Verordnung, die schwerwiegend war. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt wurde das Medikament abgesetzt. "Da wurde unsere Empfehlung umgesetzt." (Angemerkt)
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