Arbeit für 162 000 Menschen

Nach Verdi-Angaben stellten sich knapp 700 Klinikums-Mitarbeiter am Mittwoch für zehn Minuten vor den Haupteingang. Sie beteiligten sich an einer bundesweiten Aktion der Gewerkschaft. Diese hatte errechnet, dass 162 000 Stellen in allen Krankenhäusern fehlen. Die Nummern standen symbolisch für die fiktiven Kollegen. Bild: Huber

Zum Teil noch mit OP-Hauben auf dem Kopf, in weißen und grünen Kitteln gekleidet oder in privater Montur stellten sich Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Verwaltungspersonal am Mittwoch um 13 Uhr vor das Klinikum St. Marien. Ziel der Verdi-Aktion: "Wir wollen eine gesetzliche Personalbemessung."

Mit diesen Worten leitete Personalratsvorsitzender Reinhard Birner die bundesweite Protestkundgebung am Klinikum St. Marien ein. Zur selben Zeit standen "vom Nordseestrand bis in die bayerischen Berge, von Görlitz bis Saarbrücken" Tausende Mitarbeiter vor den Kliniken. Die Kollegen aus den Krankenhäusern hoben ihre Transparente, um auf den Personalnotstand in ihren Einrichtungen aufmerksam zu machen. Nach Verdi-Berechnungen fehlen 162 000 Beschäftigte, darunter Therapeuten, Ärzte, Hauswirtschafter, Verwaltungspersonal, Krankenpfleger oder Mitarbeiter in medizinisch-technischen Berufen.

700 in Amberg dabei

"Allein in Bayern fehlen 21 000 Beschäftigte, davon etwa 10 000 in der Pflege", betonte Birner. "Diese unzureichende Personalausstattung gefährdet immer häufiger die Sicherheit der Patienten und macht uns krank", sagte der Personalreferent unter Applaus. Seinen Schätzungen nach legten etwa 700 Mitarbeiter in Amberg für zehn Minuten ihren Dienst nieder, um bei der Kundgebung vor dem Haupteingang dabei zu sein. Auch Klinikumsvorstand Manfred Wendl richtete einen öffentlichen Appell an die Politik: "Wir benötigen in den Kliniken eine bessere Personalausstattung und auch die notwendigen finanziellen Mittel." Die geplante Krankenhausreform sei seiner Aussage nach "völlig unzureichend". Wendl stellte die Frage, wie ein Pflegeförderprogramm mit seinem jährlichen bundesweiten Volumen von 220 Millionen Euro zu einer Verbesserung der Situation beitragen solle, wenn die Kliniken allein durch den Wegfall des Versorgungszuschlages 500 Millionen Euro streichen müssen.

"Wir sind unterfinanziert"

"Für unser Klinikum entfallen mit dem Versorgungszuschlag rund 700 000 Euro jährliche Einnahmen", legte der Klinikumsvorstand Zahlen auf den Tisch. Derzeit arbeiten 1700 "Köpfe", davon 1100 Kollegen in Vollzeit, am Klinikum. "Wäre das ein Wunschkonzert, würde ich mir 30 neue Stellen in Amberg wünschen", sagte Wendl im Gespräch mit unserer Zeitung.

Eine Teilnehmerin an der Protest-Demo formulierte es noch deutlicher: "Gerade arbeiten bei mir drei in Vollzeit. Ich könnte aber sechs brauchen", sagte Elke Lotter, Leiterin der Geburtshilfe-Station. Dieser Zustand liege nicht an den Verantwortlichen im Haus, sondern an der Politik. "Wir sind unterfinanziert", erklärte die Krankenschwester.
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