Arbeiten für 1,05 Euro am Tag

Streichhölzer sortieren und verpacken ist in vielen Ländern der Dritten Welt Aufgabe von Kindern. Wie bei der Fairtrade-Aktion gestern auf dem Marktplatz zu erfahren war, gibt es für 768 volle Schachteln 1,05 Euro. Bild: tk

Ein Tageslohn von 1,05 Euro? Ja, das gibt's! Nicht in Deutschland, aber in anderen Teilen der Welt, in denen Kinderarbeit üblich ist. Um auf diesen Betrag zu kommen, müssen die Mädchen und Buben 768 Streichholzschachteln füllen. Amberg will als Fairtrade-Stadt dagegen vorgehen.

Amberg. (tk) Der faire Handel wächst rasant. Das wurde zuletzt beim Eine-Welt-Laden deutlich. Amberg insgesamt ist außerdem auf dem besten Weg, eine Fairtrade-Stadt zu werden. Bester Beweis dafür war gestern eine Aktion von Hochschulstudenten auf dem Weihnachtsmarkt. Während Moderator Thomas Bärthlein vor der Stadtratssitzung OB Michael Cerny, Bürgermeisterin Brigitte Netta und Dr. Helmut Kollhoff für Informationsgespräche zu sich auf die Bühne holte, gab es vor der Sozialbude eine knifflige Aufgabe zu lösen. Wer wollte, konnte die Kinderarbeit, Streichhölzer in die dafür vorgesehenen Schachteln zu packen, ausprobieren.

38 Stück mussten es jeweils sein und alle mit dem roten Kopf in die gleiche Richtung liegen. Das war gar nicht so einfach. Am Stand war zu erfahren, dass es in Ländern wie Indien für 768 Schachteln 1,05 Euro gibt. Wer nur 288 schafft, geht mit elf Cent nach Hause.

Um solche Entwicklungen zu stoppen, gibt es den fairen Handel. Thomas Bärthlein wollte zunächst von Helmut Kollhoff wissen, wie sich garantieren lässt, dass die gekauften Produkte nicht von Kindern gefertigt wurden. "Wir setzen da auf bessere Kontrolle", sagte der Vorsitzende des Eine-Welt-Ladens. Natürlich gebe es auch hier schwarze Schafe. Wer Produkte von GEPA oder El Puente kaufe, könne sich aber zu 99 Prozent sicher sein, dass es fairer Handel ist. Brigitte Netta freute sich, in Amberg viele Unterstützer zu kennen. Neben Studenten beteiligten sich auch Wirte und Schulen. So werde heute dem Erasmus-Gymnasium der Titel Fairtrade-School verliehen.

OB Michael Cerny war sich sicher, dass das nicht die letzte Amberger Schule sein wird, die diesen Titel erhält: "Gerade junge Leute haben ein sehr gutes Gefühl dafür, was fair ist."
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